"Lauter Tücken, sonst könnt's glücken!" Leseprobe aus den frechen Lästerversen von Horatio HudlKategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Horatio Hudl
Die erste der Tücken:
"Könn Se ma rücken?"
Ein Frackmensch kommt zu spät zum Feste,
im Saale hocken schon die Gäste.
Er kommt noch ziemlich früh zu spät,
so dass ihm nicht der Sekt entgeht.
Nur Ringelreih’n macht man im Kreise,
drum steh’n die Stühle reihenweise.
Sein Platz liegt Mitte Reihe drei.
An Knien kommt man schlecht vorbei.
Zuerst versucht er noch mit Bitten
hindurch zu schleichen zu der Mitten.
Danach probiert er es mit Klettern
und bringt die Fräcke so zum Wettern.
Da ihm nicht Flügel wachsen wollen
und eh‘ die Leute mit ihm grollen,
besinnt er sich auf einen Trick
und nimmt die Sache mit Geschick.
Um die Distanz zu überbrücken,
fragt er ganz rechts: „Könn Se ma rücken?"
Ein Flüstern geht von Gast zu Gast,
die Reihe rückt nach links mit Hast.
Auf diese eindrucksvolle Weise
geht bald sein freier Platz auf Reise
und kommt ihm dabei immer näher.
Aufs Sitzen freut sich schon der Steher.
Bald ist der Platz rechts angelangt,
um den er seit Minuten bangt.
Er lässt sich jetzt rasch nieder hier
auf seine Buchstaben, die vier.
Nun aber merkt der Frackmensch heiter:
Ganz links da flüstert man noch weiter!
Allmählich endet das Gesums,
stattdessen macht es einen Plumps.
Upps, da hat wohl wer vergessen,
dass er am Außenrand gesessen:
Man ist zu weit gerückt g’rad eben,
und links sitzt nun ein Frack daneben.
Der Frackmensch, der zu spät gekommen,
grinst nur verschmitzt und sagt versonnen:
„Na, ist es denn nicht unerhört,
dass einer so spät kommt und stört?!"
Variation:
Ein Frackmensch geht zum Hochzeitsfeste,
die Kirche füllen schon die Gäste.
Heut‘ kommt er ziemlich spät zu spät,
so dass ihm fast der Start entgeht.
Die Bänke stehen reihenweise.
Die feinen Leute flüstern leise.
Er säß zu gern in Reihe drei,
doch nirgends ist ein Plätzchen frei.
Da er an diesem schönen Tag
nicht ganz alleine stehen mag,
besinnt er sich auf seine Tücken
und bittet wieder aufzurücken.
Getuschelt wird von Gast zu Gast,
damit man vorne nichts verpasst.
Man schubst sich weiter mit dem Po,
denn das macht man auf Bänken so.
Auf diese ruckelige Weise
geht wiederum ein Platz auf Reise,
obwohl bekanntlich keiner frei.
Das ist das Tückische dabei.
Schnell quetscht der Frack sich in die Bank
und macht bequem die Beine lang.
Im Sitzen kann er nun gut hören,
wie die da vorn sich Treue schwören.
Weit links von ihm hat unterdessen
ein Hochzeitsgast zuviel gesessen.
Man hat es mit dem Weiterschieben
ganz aus Versehen übertrieben.
So schubst Frau Müller Gatten Klaus
mit ihrem Hinterteil hinaus,
und Klaus, der nie zu spät im Leben,
sitzt ohne Platz wie’n Depp daneben.
Die Feier
Was für ein wunderbarer Tag,
den man nie wieder missen mag!
Endlich nach fünf langen Jahren,
in denen wir uns ferne waren,
gibt es heute hier ein Treffen
mit Brüdern, Omas , Nichten, Neffen.
Man hat sich fein herausgeputzt,
weil sowas der Fassade nutzt
und schreitet nun mit frohem Sinn
zum Fest von Onkel Gustav hin.
Ist erst der lahme Teil vorbei,
beginnt die echte Feierei.
Im Weidenbaume spielt der Wind.
Cousine Anna schimpft ihr Kind.
Der Anton wischt den Staub vom Schuh
und knöpft die Anzugjacke zu.
Die meisten freu’n sich unterdessen
auf Kaffee und aufs Kuchenessen.
(Die Schnäpse auch nicht zu vergessen!)
Man lobt, dass heut‘ die Sonne scheint.
Zu blöd, dass Tante Lisa weint!
Es grübelt Schwager Ludwig still,
was er für Witze bringen will,
wenn man hernach in netter Runde
zusammensitzt so manche Stunde.
Das Patenkind im bunten Muster:
Ein frecher Angriff, ein bewußter?
Man plaudert über dies und das,
tut int’ressiert: „Ah so? Ach was?",
und jeder fragt im Geiste sich:
„Was hat der Gustav wohl für mich?"
Die Damen tupfen ihre Augen,
um wässriges dort aufzusaugen,
als ob sie Tränen trocknen wollen
wo überhaupt nicht Tränen rollen.
Sie stöhnen: „Es ist ein Malheur!
Erst vorhin war ich beim Friseur
und nun so’n Wind, wie fürchterlich.
Ich hoffe, die beeilen sich."
Desgleichen hofft Familie Meier,
denn eigens für die große Feier
hat sie das Frühstück ausgelassen
und freut sich nun aufs Essenfassen.
Der Junior muss ganz schnell aufs Klo,
die Tochter nörgelt sowieso.
Zwei Söhne teil’n das Mobilar,
das noch in Vaters Wohnung war:
„Der Sekretär gehört nicht dir.
Den hat er fest versprochen mir."
Den Schwiegertöchtern geht’s derweil
um Schwiegermutters Altenteil:
„Die Mutti ist ein echter Schatz.
Nehmt ihr sie, wir ham keinen Platz!"
So tut man auf verschied’ne Weisen
dem Gustav seine Ehr‘ erweisen.
Wie schade, dass der gute Mann,
sich nicht daran erfreuen kann.
Die Sippschaft trippelt durch den Park
zum Fest vom Onkel – vorn im Sarg.
Verstakelt
Es wirkt mitunter sehr graziös,
wenn Dame auf den Stöckeln stakelt,
doch endet’s auch zuweilen bös,
wenn Stöckel sich an Stein verhakelt.
Wenn sie sich schwer verstakelt hat,
bricht manchmal so ein Stöckel ab.
Die Dame latscht dann halbseits platt
als ginge Stufen sie hinab.
Graziös sieht er nun nicht mehr aus,
der Stöckel in der Hand.
Drum hüppelt sie erzürnt nach Haus.
Der Schuh fliegt an die Wand.
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| Über den Autor: |
| Der Erfinder der Kultschrate "Krumpelpump und Schlumperstrolch" wurde 1973 in Kassel geboren. Er ist Freier Journalist, Texter und Sprecher.
Als Begründer von "Atelier und Tonstudio Wortquelle", einem Projekt mit einem Künstlerteam aus verschiedenen Bereichen, realisiert er mit den Kolleg(inn)en neben der Hörspielserie mit den witzigen Schraten noch diverse Hörbuchprojekte für Kinder und Erwachsene, unter anderem auch Lyrik- und Satireveröffentlichungen von "Wortquelle"-Mitgliedern.
Darüber hinaus übernimmt sein Team auch Auftragsarbeiten im Bereich Ghostwriting wie z. B. Festreden, Chroniken und journalistische Texte.
Kontakt: anfrage@wortquelle.de |
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