Laura Biagiotti: Die „Queen of Cashmere“Kategorie: Schönheit Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Einer der größten Sterne am italienischen Modehimmel ist Laura Biagiotti. Ihr Name entwickelte sich in den 1970-er Jahren zu einem international renommierten Markenzeichen. Sie vertritt eine Modephilosophie, die vor allem auf tragbare Mode für die feminine Frau ausgerichtet ist. „Das Gefühl für ein Kleid ist heute von Schlichtheit und Bequemlichkeit charakterisiert", sagte sie. Wegen ihrer erlesenen Kaschmirkreationen gab ihr die renommierte amerikanische Tageszeitung „New York Times" den Ehrentitel „Queen of Cashmere".
Die Tochter des Managers Guiseppe Biagiotti und der Maßschneiderin Delia Soldaini wurde am 4. August 1943 in Rom geboren. Nach dem Verlassen der Schule studierte sie Archäologie und Literatur an der Universität Rom und wollte Archäologin werden. Nach drei Jahren brach sie ihr Studium jedoch ab, um ihre Mutter zu unterstützen, der die Arbeit im Modeatelier über den Kopf wuchs.
Im Team mit ihrer Mutter begeisterte sich Laura Biagiotti bald für das Modegeschäft. Sie saß nicht nur am Schneidertisch, sondern versuchte auch, den Kundenkreis – unter anderem in den USA – zu erweitern. Wichtig für ihre weitere Karriere in der Modebranche erwies sich ihre frühe Erkenntnis, dass die Zeit der maßgeschneiderten Kleider zu Ende ging und die Zukunft der Konfektion gehörte.
Die junge Maßschneiderin entwarf fortan selbst Kreationen und präsentierte 1972 in Florenz ihre erste eigene Kollektion, die sofort großen Anklang fand. Danach entwickelte sie für Frauen mit Übergrößen die Kollektion „Laurapiu" sowie die Kaschmir-Kollektionen „Laura Biagiotti cashmere" und „Mac-Pherson’s Difusione".
Im Frühjahr 1986 wurden weltweit unter dem Slogan „la tentazione firmata" in den Schaufenstern von etwa 500 Geschäften erstmals „Laura Biagiotti Jeans" präsentiert. Ebenfalls 1986 führte sie die erste Kollektion „Laura Biagiotti Junior und Baby" mit Jeans und Sportbekleidung für die Altersgruppe der Ein- bis Fünfzehnjährigen sowie die erste Kollektion „Bears Bazaar" für junge Frauen, die fröhliche Teenager-Garderobe mögen, ein. 1987 zeigte Laura Biagiotti die erste Herrenkollektion „Biagiotti Uomo".
Der 25. April 1988 war in der Erfolgsgeschichte von Laura Biagiotti ein besonderer Tag: Dreißig Models aus der Volksrepublik China zeigten in Peking die bedeutendsten Kreationen aus der Laufbahn der italienischen Modeschöpferin. 125 Kleider erzählten die „Biagiotti-Story", die gleichzeitig eine Hommage an die edlen Materialien Kaschmir und Seide war.
Heute zeigt Laura Biagiotti bei den internationalen Mailänder Modeschauen jährlich zwei Prêt-á-porter-Kollektionen mit einer unglaublichen Vielfalt an Stoffen sowie einer großen Auswahl an Accessoires wie Schale, Krawatten, Schuhen, Brillen, Schmuck Hand- und Reisetaschen. Für die Accessoires entwarf der Künstler René Gruau eine kleine hochschnellende Figur als Markenzeichen.
Die Prêt-á-porter-Kollektionen von Laura Biogiotti werden in ihren eigenen Werken in Rom und Pisa hergestellt. In ihren Fabrikationsstätten sind insgesamt etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt.
Für viele Produkte hat Laura Biagiotti Lizenzen an renommierte Firmen vergeben: Parfums: Eurocos Cosmetic, Taschen: Gru. P. Italia spa Milano (in Deutschland über Rechtsteiner, München), Brillen: Visibilia Group Marghera (Venedig) über Visibilia, Toucher: H. M.&C Srl Lurate Cacivio (Como), Handtücher und Bettwäsche: R. C. Tessile Srl. Cairate (Va), Geschirr und Gläser: Desart San Marino (in Deutschland über Adornetto), Fliesen: Tagina Srl Gualdo Tadino (Pg), Accessoires: Pliko Srl Roma, Herren-Kollektion: Sanremo Moda uomo Spa Caerano di San Marco (Tv), Schuhe: Via Dante Srl Montegranaro (AP).
Laura Biagiotti ist eine der großen italienischen Duftdesignerinnen. Bereits 1982 führte sie ihr erstes Parfüm „Fiori Bianchi di Laura" ein. 1988 brachte sie den Erfolgsduft „Roma" auf den Markt. Die Form und zartrosa Farbe des Flakons und der Packung erinnern an charakteristische Marmorsäulen der „Ewigen Stadt". „Roma" entwickelte zu einem Klassiker unter den Kreationen. Es steht seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Top Ten-Liste der Damenparfüms. 1990 folgten die Düfte „Biagiotti Uomo", 1992 „Venezia", 1994 „Roma Uomo" und „Laura" und 1995 „Venezia Uomo" und „Venezia Pastello".
In Deutschland war Laura Biagiotti 1987 mit 38 Direktverkäufern vertreten. Biagiotti-Exklusivgeschäfte existieren in Mailand, Rom, Florenz, Venedig, New York, Peking, Bangkok, Moskau und Berlin. In Rom bietet eine „Laura Biagiotti-Shopping-Gallery" außer Textilmode unter anderem auch Badezimmereinrichtungen, Accessoires und Lederwaren an.
Im Dezember 1997 erklärte Laura Biagiotti in einem Interview mit der Zeitung „Welt am Sonntag", sie finde es ganz schlimm, dass superdünne Models gerade „in" seien. Es gebe in Italien viele Mädchen, die ihnen nacheiferten und magersüchtig seien. Neben der gesundheitlichen Problematik finde sie verhungert aussehende, knochige Körper aus ästhetisch äußerst abstoßend. Diesen so genannten „Heroin-Chic", der bei vielen Modeschöpfern so gefragt sei, mache sie nicht mit.
Lebensgefährte Laura Biagiottis war der frühere Arzt Dr. Gianni Cigna (1937–1996). Er wirkte als Teilhaber und Präsident der „Biagiotti Export SpA". Die Modeschöpferin und Unternehmerin lebt in dem – von dem Stararchitekten Piero Pinto restaurierten – Renaissance-Palast „Castello Marco Simone" aus dem 16. Jahrhundert unweit von Rom.
Laura Biagiotti engagiert sich auch auf dem Gebiet der Kunst, Kultur und Architektur. Sie unterstützt mit der Stiftung „Fondazione Biagiotti Cigna", die sie zur Erinnerung an ihren im August 1996 verstorbenen Ehemann gründete, junge Designer und unterhält die größte private Sammlung des futuristischen Malers Giacomo Balla. Außerdem fördert sie die Restauration der berühmten „Scala Cordonata del Campidoglio" in Rom und der 1536 von Michelangelo entworfenen Kapitoltreppe.
Für ihre langjährige Tätigkeit in der Modeschöpfung und ihren Beitrag zur Verbreitung des Labels „made in Italy" erhielt Laura Biagiotti 1987 vom italienischen Staatspräsidenten die Auszeichnung eines „Commendatore". Am 4. Dezember 1992 wählte man sie in Italien für ihren Beitrag zur Steigerung des Ansehens von „made in Italy" in der Welt zur „Frau des Jahres". In Peking wurde ihr 1993 für ihre Verdienste um das Ansehen der italienischen Mode in China der Preis „Marco Polo" verliehen. 1995 zeichnete man sie mit dem „Orden der Cavaliere del Lavoro" aus.
Seit 1997 unterstützt die 1975 geborene Tochter Lavina Biagiotti-Cigna ihre Mutter Laura Biogiotti im PR-Bereich des Unternehmens und bei den Vorbereitungen für Modeschauen. Damit setzt sie die Familientradition fort.
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Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://www.antiquitaeten-shop.net Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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