Killerspiele und Ego-Shooter im Kreuzfeuer - Was die Philosophie zu sagen hatKategorie: Politik Artikel veröffentlicht von: Renate Miethner
Die erneut entflammte Diskussion um ein generelles Verbot von gewaltlastigen PC-Spielen birgt die offensichtliche Gefahr, dass hier schnell zu Scheinlösungen im Sinne von Symptombekämpfung anstelle echter Problembetrachtung gegriffen wird. Das Bonner Unternehmen APEIRON hat dies in seiner Funktion als Beratungsagentur für Philosophie dazu bewogen, in der aktuellen Ausgabe des Philosophiemonatsbriefes Stellung zu beziehen. Ein Auszug:
„Neben gewaltlastigen Horrorfilmen und lautstarker Heavy-Metal-Musik (die vermutlich so manchen Volksvertreter schnell aus dem Büroschlaf im Parlamentsstuhl reißen würde und ihm deshalb so gefährlich vorkommt) ist es vor allem eine bestimmte Typologie von PC- und Konsolenspielen, die in der politischen Diskussion gerne zur bestimmenden Ursache von Fehlentwicklungen bei zur Gewalt neigenden Jugendlichen erklärt wird. Im Falle akuter Handlungsnot unter öffentlichem Druck wird deshalb regelmäßig ein generelles Verbot sogenannter „Ego-Shooter" (in der bereits politisch instrumentalisierten Form mit dem Terminus „Killerspiele" belegt) als Lösung auf den Plan gerufen – und man mag hinzufügen: über weite Strecken ohne Sinn und Verstand.
Sei es, dass pauschal von einer generell festzustellenden zunehmenden „Verrohung" oder einer wachsenden Bereitschaft zu Gewalttätigkeit gesprochen wird, die meist speziell bei jungen Menschen oder Jugendlichen zu beobachten wäre, sei es, dass sogenannte Amokläufer breite Aufmerksamkeit auf sich ziehen – in jedem Fall mag man sich nur schwerlich des Eindrucks erwehren können, dass die Mehrheit derer, die in Gestalt einer Patentlösung schnell mal einen Zweig der Spieleindustrie erst zum gesellschaftlichen Buhmann machen und dann komplett lahm legen wollen, nicht einen Funken Einblick hat in dasjenige, wovon die Problematik eigentlich getragen ist.
Doch damit nicht genug, denn die Folgen sind bei konsequenter Denkungsweise viel umfangreicher als sich das so mancher in der ersten Begeisterung des Schnellverbietens vorstellen kann und vermutlich auch will. Denn bei all den Vorschlägen, die von Befürwortern eines strikten Verbots derartiger, „die Menschenwürde verletzender" Spielen gemacht werden, ist man unmittelbar mit einem generellen Problem der Grenzziehung konfrontiert. Was verboten werden soll oder vielleicht muss, lässt sich schwerlich präzise, unmissverständlich und allgemeinverbindlich angeben. Denn wessen Menschenwürde wird hier eigentlich verletzt? Sicher nicht diejenige von aus Pixeln bestehenden virtuellen Kampfgegnern, und im Falle von mehreren Beteiligten wohl auch kaum diejenige des realen Spielers dahinter – oder sollte man ernsthaft behaupten, ein Spieler, der beim Schach (einem strategischen Kriegsspiel wohlgemerkt) eine Figur verliert (die dann ja wohl als „getötet" angesehen werden muss), werde ebenfalls in seiner Menschenwürde verletzt?"
Der gesamte Artikel findet sich neben weiteren Beiträgen in der aktuellen Dezemberausgabe. Auf der Homepage des Unternehmens lässt sich die digitale Publikation zu philosophischen Themen kostenfrei via Email abonnieren. Behandelt werden klassische philosophische Themen anhand aktueller Diskussionen aus Politik und Gesellschaft.
Die aktuelle Ausgabe kann kostenfrei bestellt werden unter http://www.philosophiemonatsbrief.de - zusätzlich steht auch noch die Ausgabe November unter http://www.philosophieberatung.de/Philosophiebrief_11-06.pdf zum Download bereit. Alle Vormonate finden sich darüber hinaus im Online-Archiv.
(Abdruck honorarfrei unter Nennung des Autors. Belegexemplar erbeten)
Veröffentlicht von: Renate Miethner Web: http://www.philosophieberatung.de/ Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Apeiron Philosophieberatung, 2005 gegründet von der Bonner Philosophin Renate Miethner, ist ein dezidiert philosophisch ausgerichtetes Beratungsunternehmen. Renate Miethner studierte Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhems-Universität Bonn und arbeitete ausführlich über Kant und die erkenntnistheoretischen Ansätze des deutschen Idealismus. |
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