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Käthe Kollwitz: Die berühmteste deutsche Graphikerin und Bildhauerin

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Deutschlands bedeutendste Graphikerin und Bildhauerin war Käthe Kollwitz (1867–1945), geborene Schmidt. Sie schuf meisterhafte Graphiken, unter anderem Holzschnitte, Lithographien und Handzeichnungen, sowie bildhauerische Werke. Kennzeichnend für ihre Motive sind Formvereinfachung und Verzicht auf sentimentale Effekte. Ihre künstlerische Maxime hieß: mitweinen, mitfühlen, mitkämpfen.

Käthe Schmidt wurde am 8. Juli 1867 als fünftes Kind des Baumeisters Carl Schmidt (1825–1898) und seiner Frau Katharina (1837–1925), geborene Rupp, in Königsberg (Ostpreußen) geboren. Die beiden ältesten Geschwister sind früh gestorben. Käthe wuchs mit dem Bruder Konrad (1863–1932) sowie den Schwestern Julie (1865–1917) und Lisbeth (1870–1963) auf.

Ersten Zeichenunterricht erhielt Käthe bei dem Kupferstecher Rudolf Mauer (1845–1905) in Königsberg. 1884 unternahm sie mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Lisbeth eine Reise in das Engadin im schweizerischen Kanton Graubünden. Als sie in Berlin Station machten, lernte sie den deutschen Dichter Gerhart Hauptmann (1862–1946) kennen. Bei einem Zwischenaufenthalt in München war sie in der „Alten Pinakothek" stark von Gemälden des flämischen Künstlers Peter Paul Rubens (1577–1640) beeindruckt.

1885/1886 wurde Käthe Schmidt an der Berliner Künstlerinnenschule von dem Schweizer Maler und Radierer Karl Stauffer-Bern (1857–1891) ausgebildet. 1887 nahm sie bei Emil Neide (1843–1908) in ihrer Heimatstadt Königsberg Unterricht. 1888/1889 folgte ein Studienaufenthalt in München, wo sie bei Ludwig Herterich (1856–1932) Unterricht nahm. 1890 schuf sie erste Radierungen.

Am 13. Juni 1891 heiratete Käthe Kollwitz den Mediziner Dr. Karl Kollwitz (1863–1940), der sich als Kassenarzt im Norden Berlins in der Weißenburger Straße 25 (heute: Käthe-Kollwitz-Straße) niederließ. Durch ihn und seine Arbeit gewann sie Einblicke in das Leben und die Nöte der Arbeiter. Ihr soziales Engagement schlug sich in der Sozialkritik als dem Hauptthema ihres graphischen Werkes nieder. Am 14. Mai 1892 brachte sie ihren Sohn Hans zur Welt.

1893 beteiligte sich Käthe Kollwitz mit zwei Pastellen und einer Radierung an der „Freien Kunstausstellung" in Berlin. Im selben Jahr erlebte sie die Uraufführung von Gerhart Hauptmanns mitreißendem Stück „Ein Weberaufstand. Von 1893 bis 1898 arbeitete Käthe an dem Radierzyklus „Ein Weberaufstand". 1896 schenkte sie ihrem Sohn Peter das Leben.

In der „Großen Berliner Kunstausstellung" wurde 1898 das Werk „Ein Weberaufstand" von Käthe Kollwitz gezeigt. Der Maler und Lithograph Adolph Menzel (1815–1905) schlug sie damals für die „Goldene Medaille" vor, doch Kaiser Wilhelm II. (1859–1941) lehnte dies ab, weil ihm die „Rinnstein-Kunst" der Kollwitz nicht gefiel. Ebenfalls 1898 trat Käthe Kollwitz in die Berliner „Freie Secession" ein. Zwischen 1898 und 1903 wirkte sie als Lehrerin an der Künstlerinnenschule in Berlin.

Max Lehrs (1855–1938) erwarb 1899 das Werk „Ein Weberaufstand" für das „Dresdner Kupferstichkabinett". Außerdem wurde Käthe Kollwitz die „Goldene Medaille" auf der „Deutschen Kunstausstellung" in Dresden verliehen. Zwischen 1903 und 1908 arbeitete sie an dem Radierzyklus „Der Bauernkrieg".

1904 hielt sich Käthe Kollwitz in Paris auf, wo sie in der Klasse für Plastik der „Académie Julian" arbeitete. Während dieses Aufenthaltes in Frankreich besuchte sie auch den Bildhauer Auguste Rodin (1840–1917) sowie den Zeichner und Graphiker Théophile Alexandre Steinlen (1859–1923).

Im Jahre 1906 wurde Käthe Kollwitzs erste Arbeit für ein Plakat, die Lithographie für die „Deutsche Heimarbeitausstellung" in Berlin, auf Wunsch der Kaiserin Auguste Victoria (1881–1921) von allen Litfasssäulen entfernt. Sie weigerte sich, die Ausstellung zu betreten, solange das Plakat, das eine ausgemergelte Heimarbeiterin zeigte, noch hing.

1907 erhielt Käthe Kollwitz den von dem Maler, Graphiker und Bildhauer Max Klinger (1857–1920) gestifteten „Villa-Romana-Preis", der ihr einen Aufenthalt in Italien, vor allem in Florenz, ermöglichte. 1909 begann sie mit eigener bildhauerischer Tätigkeit.

Wenige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges fiel Käthe Kollwitzs 18-jähriger Sohn Peter, der sich freiwillig gemeldet hatte, in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober 1914 in Flandern. Über dieses „sinnlose Opfer" für einen „hirnverbrannten Krieg" kam die Mutter nie hinweg. Bereits im Dezember 1914 plante sie ein Denkmal für Peter.

Zum 50. Geburtstag von Käthe Kollwitz veranstaltete die Berliner „Freie Secession" 1917 eine Jubiläums-Ausstellung im Kunstsalon des Kunsthändlers und Verlegers Paul Cassirer (1871–1926) in Berlin. Es war die wichtigste Ausstellung ihres Lebens.

Die Zeitung „Vorwärts" druckte am 28. Oktober 1918 die Entgegnung von Käthe Kollwitz auf den Aufruf des Dichters Richard Dehmel (1863–1920) zum letzten Widerstand. Sie erklärte: „Es ist genug gestorben! Keiner darf mehr fallen. Ich berufe mich gegen Richard Dehmel auf einen Größeren (Goethe), welcher sagt: ,Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden‘".

Am 24. Januar 1919 wurde Käthe Kollwitz in Berlin zum ersten weiblichen Mitglied der „Preußischen Akademie der Künste" ernannt und gleichzeitig als Professorin berufen. Im selben Jahr schuf sie ihre ersten Holzschnitte „Gedenkblatt für Karl Liebknecht" und „Zwei Tote". 1920 engagierte sie sich für die „Internationale Arbeiter-Hilfe" (IAH) und schuf das Plakat „Wien stirbt! Rettet seine Kinder" und drei Flugblätter gegen den Wucher.

1922/1923 entstand Käthe Kollwitzs Holzschnittfolge „Der Krieg". Damals betonte sie: „Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in einer Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind." 1925 folgte die Holzschnittserie „Proletariat". 1927 reiste die Künstlerin auf Einladung der russischen Regierung in die Sowjetunion.

Im Jahre 1928 betraute man Käthe Kollwitz mit der Leitung des „Meisterateliers für Graphik" an der „Preußischen Akademie der Künste" zu Berlin. 1929 erhielt sie den Orden „Pour le mérite" der „Friedensklasse für Wissenschaften und Künste". Bei der Eröffnung der Akademieausstellung am 22. April 1931 präsentierte man ihre plastischen Gestalten „Vater und Mutter".

1932 wurde auf dem Soldatenfriedhof in Roggevelde-Eessen bei Dikmuide das Mahnmal „Die Eltern" aufgestellt, das Käthe Kollwitz zur Erinnerung an ihren 1914 in Flandern gefallenen Sohn Peter entworfen hatte. Anlässlich ihres 65. Geburtstages wurden 1932 in Moskau und Leningrad zahlreiche Werke von ihr präsentiert.

Angesichts der bevorstehenden Reichstagswahlen unterschrieb Käthe Kollwitz im Juli 1932 – ebenso wie der Physiker Albert Einstein (1879–1955) sowie die Schriftsteller Arnold Zweig (1887–1968) und Heinrich Mann (1871–1950) – einen Aufruf zur Einigung der Linksparteien gegen die faschistische Gefahr. Im Februar 1933 unterzeichneten sie und ihr Mann den „Dringenden Appell" für einen Zusammenschluss der „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands" (SPD) und der „Kommunistischen Partei Deutschlands" (KPD).

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 trat Käthe Kollwitz am 15. Februar desselben Jahres gezwungenermaßen aus der „Preußischen Akademie der Künste" aus. Außerdem verlor sie in jenem Jahr ihr Amt als Leiterin der Meisterklasse für Graphik.

1934/1935 stellte Käthe Kollwitz die acht Lithographien umfassende Folge „Tod" her. Damals entstand auch ihr Grabrelief „Ruht im Frieden seiner Hände". 1936 verhängte man gegen sie ein inoffizielles Ausstellungsverbot und entfernte ihre Arbeiten in deutschen Ausstellungen. Dagegen waren Werke von ihr 1938 auf der „Exhibition of 20th Century German Art" in London zu sehen.

Der Mann von Käthe Kollwitz starb am 19. Juli 1940, am 22. September 1942 fiel ihr Enkel Peter in Russland. Bis 1943 lebte Käthe Kollwitz in Berlin, ab 3. August 1943 wohnte sie bei der Bildhauerin Margret Böning (1911–1995) in Nordhausen (Thüringen). Ihre Berliner Wohnung in der Weißenburger Straße wurde am 23. November 1943 durch Bomben zerstört, wobei viele wertvolle Drucke und Platten verlorengingen.

Am 20. Juli 1944 zog Käthe Kollwitz nach Moritzburg bei Dresden, wo sie wenige Tage vor Kriegsende am 22. April 1945 im Alter von 77 Jahren im „Rüdenhof" starb. Ihrem letzten Wunsch gemäß wurde im September 1945 die Urne mit ihrer Asche nach Berlin überführt und auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde im Osten der Stadt beigesetzt.

In den 1980-er Jahren entstanden in Deutschland zwei Käthe-Kollwitz-Museen in Köln und Berlin. Das Kölner Museum, als erstes 1985 gegründet, umfasst die international größte Sammlung von Zeichnungen, Druckgraphik und Skulpturen der Künstlerin.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://buecher-von-ernst-probst.blogspot.com
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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