Add to My Yahoo!
RSS Feeds
Deutsch
English

Jil Sander: Die erfolgreichste deutsche Designerin

Kategorie: Schönheit
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


E-Mail Article
Print Article

Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Deutschlands bedeutendste Designerin ist Jil Sander, eigentlich Heidemarie Jiline Sander. Sie hatte eine Vision und verwirklichte sie. Ihr Konzept: Weglassen! Ballast abwerfen! brachte der deutschen Mode international Anerkennung. Bereits 1978 zählte die japanische Zeitschrift „High Fashion" Sander zu den zwölf besten Designern der Welt. Sie selbst hat einmal gesagt: „Ich mache Mode für die Frau, die sich avantgardistisch kleidet, sich aber dennoch nicht verkleidet fühlen will".

Heidemarie Jiline Sander wurde am 27. November 1943 im Militärlazarett von Wesselburen/Dithmarschen (Schleswig-Holstein) geboren. Ihren Vater erlebte das Mädchen kaum, die Mutter ließ sich scheiden und zog nach Hamburg. Dort machte Sander die Mittlere Reife. Anschließend wurde sie drei Jahre in Krefeld zur Textilingenieurin ausgebildet. Danach ging sie für zwei Jahre in die USA, studierte am University College in Los Angeles amerikanische Geschichte, Englisch und Formgebung. Außerdem war sie Mitarbeiterin der Frauen- und Modezeitschrift „Mc Calls".

Nach ihrer Rückkehr arbeitete Sander als Modejournalistin. Zunächst als Redakteurin bei der Frauenzeitschrift „Constanze", später leitete sie die Promotionabteilung des Hamburger Magazins „Petra".

Ferner betätigte sich Jil Sander als freie Stilistin und Stoffentwicklerin. Unter anderem schuf sie für den Chemiekonzern Hoechst eine Kollektion aus der neuen Faser Trevira. Mit den Honoraren solcher Aufträge und aus dem Verkaufserlös für ihren Porsche eröffnete sie mit 24 Jahren im Stadtteil Hamburg-Pöseldorf ihre erste Boutique. Nebenbei entwarf sie für Textilunternehmen, für Webereien erstellte sie Trend-Stoffkollektionen. Zudem war sie Beraterin eines Kaufhauskonzerns.

Mit dem Slogan „Gutes Design für wenig Geld" ging sie 1973 mit ihrer ersten eigenen Kollektion für Damenoberbekleidung (DOB) an die Öffentlichkeit. Knüller: ungefütterte Blazer. Produktionsprobleme jedoch verursachten einen herben Rückschlag. Ein Jahr später wagte sie einen zweiten Versuch unter dem Motto „Gutes Design, erstklassiges Material, höchste Qualität in der Verarbeitung" und war erfolgreich. Damals fand die ganze Jil Sander GmbH Platz unter einem Dach in der Magdalenenstraße. In der Küche wurden die Schnitte zubereitet, im Bad standen die Fotokopiergeräte, das Wohnzimmer diente als Büro und im Schlafzimmer wartete die Kollektion auf den Versand. 1977 präsentierte Jil Sander in Paris und musste feststellen, dass die Zeit noch nicht reif war für ihre kompromisslose Mode.

Im gleichen Jahr hielt sie ihr Gesicht für die Werbung hin, als ihr erstes Parfum auf den Markt kam. „Woman pur" und „Men pur" waren die ersten Luxusparfums, die nicht in Frankreich hergestellt wurden. Sie waren leicht, modern, cool – und ein Hit. Auch der mattierte Flakon, diese kleine konstruktivistische Skulptur aus Kubus und Zylinder. Produktionspartner: die Firma Lancaster.

1983 setzte sich Sanders Mode mit über einem Dutzend Verkaufsstellen auf dem italienischen Markt durch. Zu diesem Zeitpunkt war sie auch schon in New York vertreten. Hinzu kamen exklusive „Jil Sander-Monobrand-Stores" in Paris, San Francisco, Montreal, Tokio, Seoul, Hongkong und Singapur. Ab 1989 stellte die Firma Goldpfeil in Lizenz die Jil Sander-Lederkollektion her. Brillen vervollständigten das Sortiment (mit Menrad und Alain Mikli).

1989 kaufte Jil Sander das Textilunternehmen Erlhoff in Ellerau bei Hamburg und verfügte somit über eine Produktionsstätte in Firmennähe. Im Juni 1989 wurde aus der Jil Sander GmbH eine Aktiengesellschaft. Im ersten Geschäftsjahr nach Börsengang erzielte das Modeunternehmen einen Gewinn von 26,4 Millionen Mark vor Ertragssteuern, also eine Bruttoumsatzrendite von 22,5 Prozent.

Durch die fortschreitende Internationalisierung der Firma stieg die Exportquote 1995 auf 52,1 Prozent. Jil Sander-Produkte wurden weltweit in nahezu 50 Jil Sander-Exklusivläden und in mehr als 250 Geschäften des In- und Auslandes angeboten.

1995 bildeten fünf Tochtergesellschaften den Jil Sander-Konzern. Die „Jil Sander Women’s Wear GmbH" stellte im Werk Ellerau etwa ein Zehntel des Gesamtsortiments her. Die „Jil Sander Collection GmbH" war für die fünf firmeneigenen Geschäfte in Deutschlnand zuständig. Die „Jil Sander Paris S.a.r.l." betrieb den Pariser „Flagship-Store". Die „Jil Sander Italia Spa" leitete den Vertrieb in Südeuropa, steuerte und kontrollierte den Stoffeinkauf und koordinierte seit 1996 die Produktion der bahnbrechenden „Jil Sander-Männerkollektion". „Die Jil Sander America Inc." betreute den Vertrieb in Nord- und Südamerika.

Im Jahr 1999 machte Jil Sander mit 450 Mitarbeitern einen Umsatz von circa 220 Millionen Mark für Kleidung. Hinzu kamen weitere 120 Millionen Mark für Kosmetik.

Im August 1999 verkaufte die Designerin 75 Prozent der Stammaktien und 15 Prozent der stimmrechtlosen Vorzugsaktien an den italienischen Prada-Konzern. Sie behielt 25 Prozent der Stammaktien und blieb Vorstandsvorsitzende, räumte jedoch wegen Unstimmigkeiten mit Prada-Boss Patrizio Bertelli am 31. Januar 2000 den Chefsessel der Jil Sander AG.

Das Credo der zierlichen Modeschöpferin lautete von Anfang an: „Die reinste Form von Luxus ist die Reduktion". Überflüssiges Beiwerk lehnt sie ab. Sie selbst trägt am liebsten eine weiße Bluse oder einen Cashmerepullover und Hosen – schlicht, edel und elegant.

Jil Sander wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie erhielt den „Goldenen Faden" (1980 und 1985), den „Modepreis der Stadt München" (1983), den „Couturier-Preis Paris" (1985) und in den USA den „Fashion Group Award". Als Nachfolgerin des deutschen Modeschöpfers Karl Lagerfeld übernahm sie 1983 eine Gastprofessur an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

Jil Sander reist gerne, unternimmt von ihrem Haus in Gstaad aus Bergwanderungen und hat auf ihrem Landsitz am Plöner See ihre Liebe zur Gartengestaltung entdeckt. Zwei weiße Villen an der Hamburger Außenalster dienen als Firmensitz und Privathaus. Der Firmensitz ist karg und hell, das Privathaus kostbar und dunkel eingerichtet.

Freunde betonen den sanften Liebreiz, aber auch den eisernen Willen von Jil Sander. Richard Gruner, Mitbegründer des Verlagshauses Gruner+Jahr sagte nach einer Feier bewundernd, sie sei kühl, klug, freundlich, raffiniert und immer unglaublich.

Der frühere Chefredakteur der Zeitung „Welt am Sonntag", Claus Jacobi, beschrieb Jil Sander in einem „WamS"-Artikel als zäh wie eine Wildkatze und hart wie Nägel. Meistens erreiche sie, was sie wolle. Wen sie nicht um ihren hübschen Finger wickle, den ziehe sie notfalls über den Tisch. Sie sei eine tolle Frau.

*

Bestellungen von "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" bei:
www.buch-shop-mainz.de


Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://www.antiquitaeten-shop.net
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
Dieser Artikel darf von Dritten für die Inhalte von Newslettern oder Websitecontent verwendet werden. Voraussetzung für eine Veröffentlichung durch Dritte ist, die jeweilige Autoreninfo aus 'Über den Autor', unter jedem Artikel vorhanden, unverändert mit zu veröffentlichen. Ein Verstoß gegen diese Regel, verstößt gegen die Copyright-Bestimmung. Es wäre ebenfalls von Vorteil den Verfasser des Artikels per e-Mail zu informieren, wo sein Artikel veröffentlicht wurde.


Weitere Artikel von Ernst Probst: