Isabel Perón: Die erste Präsidentin ArgentiniensKategorie: Politik Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
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Argentiniens und zugleich auch Lateinamerikas erste Präsidentin wurde Isabel („Isabelita") Perón, geborene Maria Estela Martinez. Die dritte Frau des Präsidenten Juan Domingo Perón (1895–1974) hatte nach dessen Tod verfassungsgemäß die Nachfolge übernommen. Nach ihrer Absetzung durch einen Militärputsch stand sie jahrelang unter Hausarrest und machte man ihr den Prozess. Sie musste jedoch die gegen sie verhängte Gefängnisstrafe nicht verbüßen, sondern durfte nach Spanien ausreisen.
Maria Estela Martinez wurde am 4. Februar 1931 als sechstes Kind eines Bankfilialleiters in La Rioja, mehr als 1200 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires, geboren. Nach sechs Jahren Volksschule besuchte sie einen Französischkurs und lernte das Klavierspielen. Mit einem Diplom des „Ibero-Amerikanischen Kulturinstituts" wandte sie sich danach dem Tanz zu. Als 20-Jährige schloss sie sich dem Ballett des „Teatro National Cervantes" an und trat unter dem Pseudonym „Isabel" oder „Isabelita" auf.
Auf einer ihrer Tourneen begegnete Isabel 1956 im Nachtclub „Happyland" von Colon in Panama dem 1955 gestürzten Diktator Juan Domingo Perón, der damals die erste Exilzeit in Panama-Stadt verbrachte. Die kleine, schlanke und blonde 25-jährige Tingeltangel-Tänzerin wurde dem 60 Jahre alten Exil-Politiker von dessen Leibwächter José López Rega vorgestellt. Perón engagierte Isabel als Sekretärin und diese begleitete ihn in sein Exil nach Madrid, wo sie 1961 seine dritte Frau wurde.
Von Anfang an versuchte Juan Domingo Perón, Isabel so zu beeinflussen, dass sie seiner verstorbenen zweiten Ehegattin Eva („Evita") Perón (1919–1952) in Sprache, Auftreten, Kleidung und Make-up ähnelte. Doch Perónisten, die beide Frauen kannten, versicherten, Isabel habe nicht das geringste mit ihrer legendären Vorgängerin gemein. Anders als „Evita" wurde Isabel zu Lebzeiten ihres Gatten politisch nicht aktiv. Letzterer setzte sie nur Ende 1965 dazu ein, rivalisierende Fraktionen seiner Anhänger zur Räson zu bringen.
Als General Alejandro Lanusse 1972 mit seinem Militärregime keinen Ausweg mehr aus den inneren politischen Wirren Argentiniens wusste, ließ er Peróns Statthalter, den Zahnarzt Hector Cámpora (1909–1980) wieder zur Wahl zu. Nach dem großen Wahlerfolg der Perónisten am 11. März 1973 und dem Rücktritt des Interims-Präsidenten Cámpora am 13. Juli 1973 wurde General Perón selbst zum Präsidentschaftskandidaten der „Frente Justicialista" gewählt. Isabel Perón nominierte man als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, um personalpolitische Streitigkeiten innerhalb der in zahlreiche Flügel gespaltenen Perónisten zu vermeiden.
Am 23. September 1973 wurden General Juan Domingo Perón und seine Frau Isabel mit 61,28 Prozent der gültigen Stimmen als Präsident bzw. Vizepräsidentin der Republik Argentinien gewählt. Die Amtszeit der beiden begann am 12. Oktober 1973. Als Perón Ende Juni 1974 schwer erkrankte, übernahm Isabel die argentinische Präsidentschaft. Nach dem Tod des 78-jährigen Perón am 1. Juli 1974 trat die Witwe verfassungsgemäß seine Nachfolge an.
Der politische Stil Isabels wurde von ihrem Privatsekretär und Wohlfahrtsminister José López Rega bestimmt. Der ehemalige Polizeiunteroffizier trug wegen seiner hellseherischen Fähigkeiten den Spitznamen „Der Hexer" und zog die gläubige Katholikin Isabel in den Bann okkulter Praktiken. Er galt als jahrelanger Vertrauter der Peróns seit den Exiltagen und man sagte ihm auch private Beziehungen zur Präsidentin nach.
In der Folgezeit trat die Polarisierung zwischen den konservativen und linken Perónisten, die unter Peróns Namen einen radikalsozialistischen Staat marxistischer Prägung anstrebten, offen zutage. Isabel Perón, die nicht das Charisma und die Integrationskraft von Eva Perón besaß, konnte diese Gegensätze nicht überbrücken. Der Konflikt zwischen den extremistischen Flügelspitzen eskalierte in einer Serie politischer Morde und Terrorakte.
Im Juli 1975 wurde unter dem Druck der Gewerkschaften und der Militärs die „graue Eminenz" der Perónisten und der „böse Geist" Isabel Peróns, José López Rega, aus seinen Ämtern entfernt. Aber der Zerfall innerhalb des Perónismus war dadurch nicht mehr aufzuhalten. Rega verschwand später mit Millionenbeträgen und wurde von Interpol gesucht.
Ungeachtet wiederholter Nervenkrisen, offenkundiger Unfähigkeit, die öffentliche Ordnung zu sichern und den drohenden wirtschaftlichen Niedergang zu verhindern, weigerte sich Isabel Perón, als Präsidentin zurückzutreten. Auch der misslungene Putschversuch eines Teils der Luftwaffe im Dezember 1975 und die Verwicklung in Korruptionsaffären konnten sie nicht umstimmen. Sie erklärte, sie werde ihr Amt nie kampflos zur Verfügung stellen, man müsse sie schon auf der „Plaza de Mayo" aufhängen.
Während der Regierungszeit Isabel Peróns sind sechs Wirtschafts-, sechs Innen- und vier Außenminister von ihrem Amt zurückgetreten. Im Februar 1976 verzichtete sie auf eine neue Präsidentschaftskandidatur. Im Frühjahr 1976 wurde sie von einer Militärjunta unter Führung von General Jorge Rafael Videla gestürzt und unter Hausarrest gestellt.
Als man die völlig ahnungslose argentinische Präsidentin am 24. März 1976 nach der Tagesarbeit zu einem Hubschrauber geleitete, glaubte sie, man würde sie – wie sonst üblich – auf ihren Landsitz „San Vicente" bringen. Doch ein Offizier erklärte ihr: „Senora, Sie sind verhaftet, die von ihnen geführte Regierung besteht nicht mehr, das Militär hat die Macht übernommen." Dann wurde Isabel Perón nach San Carlos de Bariloche, einen Ort in den Anden etwa 1500 Kilometer südöstlich von Buenos Aires gelegen, geflogen.
In San Carlos de Bariloche musste Isabel Perón unter Bewachung im Erholungsheim der Luftwaffe, „El Messidor", den Verlauf der gegen sie eingeleiteten gerichtlichen Schritte abwarten. Aus Sicherheitsgründen durfte sie sich nur in dem dreistöckigen Gebäude bewegen und nicht einmal den Balkon betreten. Abgesehen vom Personal war ihre Haushälterin Rosario, die sie 1960 in Madrid kennen gelernt und später mit nach Argentinien genommen hatte, ihre einzige Begleitung. Sonst waren noch Peróns drei Hunde und Wächter um sie.
Im April 1976 hat man Isabel Perón sowie anderen führenden Perónisten die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt, die unbefristete Internierung der Ex-Präsidentin verfügt und ihr die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen entzogen. Im Oktober 1976 quartierten die argentinischen Militärs die Perón-Witwe im Gästehaus des Marine-Stützpunkte Azul – etwa 300 Kilometer südlich von Buenos Aires – ein.
Im September 1977 wurde gegen Isabel Perón der Prozess eröffnet. Während ihres Aufenthaltes in Azul litt sie häufig unter Anfällen von Depression, bis man sie im August 1978 auf Peróns Landsitz in San Vicente nahe Buenos Aires verlegte. Auf dem sechs Hektar großen Areal stand sie weiterhin unter Hausarrest und wurde zunächst von Soldaten und später von Polizisten bewacht. Zeitweise machten ihr auch Magengeschwüre zu schaffen.
Der Prozess gegen Isabel Perón endete im März 1981 mit einer Gefängnisstrafe wegen „Veruntreuung öffentlicher Gelder und betrügerischer Verwaltung". Dabei ging es um Schmuck, der auf Staatskosten gekauft sowie um einen Scheck über 31,5 Millionen Pesos, der ihrem Privatkonto gutgeschrieben wurde. Die 50-Jährige musste aber die Strafe nicht absitzen. Anfang Juli 1981 verurteilte man Isabel Perón in einem weiteren Verfahren zu einer Gesamtstrafe von sieben Jahren und elf Monaten Freiheitsentzug, entließ sie jedoch mit Rücksicht auf den langen Hausarrest in „bedingte Freiheit".
Noch im Juli 1981 reiste Isabel Perón in Begleitung der mit ihr befreundeten Pilar Franco, der Schwester des früheren spanischen Diktators Franco (1892–1975), nach Madrid, wo sie fortan in der fürstlichen Villa ihres verstorbenen Mannes im Puerta de Hierro wohnte. Im September 1983 ist sie von der Militärjunta offiziell begnadigt worden und hat auch ihre bürgerlichen Ehrenrechte zurückerhalten. Ebenfalls im September 1983 ernannte man sie zur Präsidentin der perónistischen Partei.
Bei den Präsidentschaftswahlen am 30. Oktober 1983 kandidierte Italo Luder für die Perónisten, unterlag aber deutlich. Wahlsieger wurde die „Radikale Bürgerunion" mit dem Kandidaten Raul Alfonsin. Im Dezember 1983 kehrte Isabel Perón nach Argentinien zurück, betätigte sich aber nicht mehr politisch.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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