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Helena Rubinstein: Die „Kaiserin der Kosmetik“

Kategorie: Schönheit
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Der Ruhm, die erfolgreichste Kosmetikerin der Welt gewesen zu sein, gebührt der Unternehmerin Helena Rubinstein (vermutlich 1870–1965). Ihre märchenhafte Karriere begann mit zwölf Cremedosen. Nach ihrem Tod hinterließ sie ein Kosmetikimperium mit 100 Niederlassungen in 14 Ländern und etwa 30000 Beschäftigten im Wert von 17,5 Millionen US-Dollar sowie ein Privatvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Der französische Künstler Jean Cocteau (1889–1963) verlieh Madame Rubinstein den ehrenvollen Titel "Die Kaiserin der Kosmetik".

Helena Rubinstein kam vermutlich am 25. Dezember 1870 als eine von sieben Töchtern des Lebensmittelkaufmanns Horaz Rubinstein in Krakau (Polen) zur Welt, wo sie auch zur Schule ging. Ihre Mutter erlaubte Helene und deren Schwestern keine Schminke, achtete aber sehr auf deren Teint. Sie sagte ihren Kindern: „Das Gesicht muss strahlen". Die Töchter der Familie Rubinstein pflegten ihre Haut mit einer Creme, die Helena ihr Leben lang benutzte.

Auf Wunsch des Vaters begann Helena Rubinstein mit 18 Jahren ein Medizinstudium in Krakau und Zürich (Schweiz). Weil sie kein Blut sehen und riechen konnte, brach sie das Medizinstudium in Zürich ab. 1902 wanderte sie nach Queensland in Australien aus, um bei einem verwitweten Onkel als Kindermädchen zu arbeiten. Auf dem „Fünften Kontinent" wurde die 1,50 Meter große und mollige Polin wegen ihrer zarten weißen Haut von den durch Wind und Wetter gegerbten einheimischen Frauen beneidet.

Die wirtschaftliche Karriere von Helena Rubinstein begann mit zwölf Cremedosen, die sie bei der langen Reise von Polen nach Australien in ihrem Gepäck mitführte. Die Dosen enthielten eine von den Krakauer Gebrüdern Lykusky zusammengerührte Mixtur aus Kräutern, Mandelöl und Rinderfett, jene Creme die Helena – wie erwähnt – so sehr schätzte.

In Australien verwendete Helena Rubinstein ihre Cremedosen nicht nur für sich selbst, sondern gab einen Teil davon zunächst an Freundinnen und später auch an andere von Sonnenbrand geplagte Frauen ab, welche die Mixtur als kosmetisches Wundermittel empfanden. Sie bestellte Nachschub und verkaufte in Melbourne in ihrem 1902 eröffneten kleinen Kosmetiksalon „Helena Rubinstein, Beauty-Salon" die Mixtur, die sie „Creme Valaze" nannte.

Die erfolgreiche Kosmetikerin blieb nicht lange in Australien, sondern übergab zwei ihrer Schwestern ihr Geschäft in Melbourne und kehrte nach Europa zurück. In Paris begann sie ein Studium bei einem der bekanntesten Hautärzte jener Zeit, dem Dermatologen Dr. Berthelot. Außerdem befasste sie sich mit Ernährungswissenschaft und Gesichtschirurgie. 1908 gründete sie in London-Mayfair einen Schönheitssalon, 1912 in Paris das „Maison de Beauté".

1907 heiratete Helena Rubinstein den aus Polen stammenden Journalisten Edward William Titus (1870–1952), der erfolgreich als ihr Werbemanager arbeitete. Aus der Ehe gingen 1909 der Sohn Roy Valentine und 1912 der Sohn Horace Gustav hervor. Titus gab unter anderem eine englische Literaturzeitschrift heraus und betrieb im Haus Rubinstein ein Privattheater.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wanderte Helena Rubinstein in die USA aus. Dort gründete sie 1915 einen Schönheitssalon in New York und die „Helena Rubinstein Inc.". 1920 stellte sie ihre Marke „Helena Rubinstein" vor. Fortan trugen Tuben und Tiegel, deren Inhalt Schönheit versprach, diesen Namen. Ihr damaliger, von ihrem Mann erfundener Werbeslogan lautete: „Werde schön mit Helena".

Das Geschäft ihres Lebens glückte Helena Rubinstein kurz vor dem Finanzkrach der 1920-er Jahre, als sie 1928 zwei Drittel der „Rubinstein Inc." für 7,3 Millionen US-Dollar an das Bankhaus „Lehman Brothers" verkaufte. Als die Wirtschaftskrise ihren tiefsten Punkt erreichte und auch das Bankhaus Lehman pleite machte, erwarb Helena 1929 den ganzen Komplex für nur 1,5 Millionen US-Dollar zurück.

Helena Rubinstein ging wieder nach Paris zurück und betrieb dort einen Salon, in dem es nicht nur um Kosmetik ging. Zu ihr kamen die Maler Henri Matisse (1869–1954), Amedeo Modigliani (1884–1920), Marc Chagall (1887–1985), Georges Braque (1882–1963) und Raoul Dufy (1877–1953), die Schriftsteller David Herbert Lawrence (1885–1930), William Faulkner (1897–1962) und Ernest Hemingway (1899–1961) sowie der Pianist Arthur Rubinstein (1886–1982), der trotz des gleichen Namens nicht mit ihr verwandt war.

1937 wurde Helena Rubinsteins erste Ehe mit Edward William Titus geschieden. 1938 wechselte ihr Generalmanager Harry Johnson zur Konkurrentin Elizabeth Arden (1891–1966). Ein Jahr später rächte sich die Rubinstein, indem sie Ardens Ex-Mann und Generalmanager Thomas Jenkins Lewis (1875–1970) anheuerte.

1938 ehelichte Helena Rubinstein den merklich jüngeren georgischen Prinzen Artchil Gourielli-Techkonia (1897–1955). Unweit von New York errichtete sie 1953 eine der größten Fabriken, die je von einer Frau geschaffen wurde. Bald besaß sie weitere Fabriken in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Israel, Australien, Japan, Kanada und Südamerika.

Als Helena Rubinstein 1955 in Paris die Nachricht vom Tod ihres zweiten Gatten erhielt, schneuzte sie in ihr seidenes Betttuch und entschied, nicht zur Beerdigung nach New York zu fliegen. „Er ist tot, warum das viele Geld verschwenden?", sagte sie zu ihrem Sekretär Patrick O’Higgins. Viele Stunden später telegraphierte sie zum halben Nachttarif: „Zu krank, um zu reisen".

Einerseits glänzte und protzte Helena Rubinstein mit ihrem Reichtum, andererseits war sie anderen gegenüber sehr geizig. Kleinodien, Kunstwerke und Schmuckstücke erwarb sie bar im Dutzend und mit einem Drittel Mengenrabatt, auf den sie nur selten widerwillig verzichtete. Ihre Garderobe bestand größtenteils aus Kleidungsstücken, die ihre Kammerzofe nach Vorbildern der Pariser Haute Couture kopierte. Der Künstler Salvador Dalí (1904–1989) meinte über sie: „Der Abstand, der die Irre von Chaillot von Helena Rubinstein trennte, war gewiss nicht größer als die Breite eines Hutes".

Bei Interviews empfahl Helena Rubinstein, das beste, was eine Frau für ihre Schönheit tun könne, seien anderthalb Stunden Mittagsschlaf. Außerdem sollte eine Frau niemals vergessen, sich gerade zu halten. Ein grader Rücken sei das Zeichen für gute Erziehung. Außerdem sagte sie, die Frauen würden nicht alle an Verstopfung und daher welker Haut leiden, wenn sie mehr laufen würden. Schönheit könne nicht von außen kommen, nicht vom Make-up, das man auflege. Schönheit sei harte Arbeit. Bei einem Interview hatte sie einmal den Mut, zuzugeben, dass sie selbst nur Wasser und Seife benütze.

Der Ablauf der Produktion im Kosmetikimperium von Helena Rubinstein, die in ihren besten Zeiten jährlich umgerechnet eine halbe Milliarde Mark Umsatz erzielte, war gut durchrationalisiert. Der gesamte Bedarf von Creme, Lotion und Wässerchen für Frankreich, Skandinavien und die Beneluxländer wurde bereits 1964 von nur vier Arbeitskräften in mächtigen Kupferkesseln gekocht. Den Puder für diesen riesigen Verbrauchermarkt produzierte ein Maschinensystem mit einer einzigen Bedienungskraft.

Als Unternehmerin beschritt Helena Rubinstein oft neue Wege: Designer und Künstler entwarfen für sie Flacons und aufwendige Verpackungen. Schriftsteller texteten für sie Werbeanzeigen, Prospekte und das hauseigene Magazin. Namhafte Architekten schufen ihre Schönheitssalons, die sich den Besucherinnen als wahre „Tempel der Kunst" präsentierten.

Helena Rubinstein machte sich als Förderin der Künste verdient. Sie gab Gemälde in Auftrag, wurde selbst von 50 Malern porträtiert, sammelte Kunstwerke, antike Miniaturmöbel, Gläser und Schmuck. Außerdem stiftete sie Reisestipendien an Künstler und einen Kunstpreis in Frankreich, veranstaltete Kunstwettbewerbe, richtete einen Fonds zur Unterstützung von Kunststudenten ein, ließ in Tel Aviv ein Museum für Moderne Kunst, den „Helena-Rubinstein-Pavillon", erbauen, und organisierte Ausstellungen für unbekannte Maler.

Auch als Mäzenatin für die Wissenschaft tat sich Helena Rubinstein hervor: Sie richtete einen „Lehrstuhl für Chemie" an der Universität von Massachusetts ein, gründete 1953 die „Helena Rubinstein-Foundation", die Wissenschaftlerinnen fördert und seit 1998 mit Unterstützung der „United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization" (UNESCO) alljährlich den mit je 20000 US-Dollar dotierten „Helena-Rubinstein-Preis" an vier Forscherinnen vergibt.

„Madame sprach keine Sprache sehr gut – Englisch, Französisch, Jiddisch, selbst Polnisch –, aber das hinderte sie nicht, genial zu sein", sagte ein Freund von Helena Rubinstein. Über Mitmenschen redete sie oft mit Verzicht auf deren Familiennamen. Statt dessen sprach sie von „dem Mann, dem die Frau starb" oder von „dem, der immer mit dem Schirm kommt". Dies tat sie, weil sie sich keinen Namen merken konnte.

Selbst im hohen Alter war die Haut von Helena Rubinstein noch glatt und gepflegt. Sie betrieb regelmäßig Gymnastik und Körperpflege, um für ihre Arbeit fit zu sein. Mit zunehmendem Alter interessierte sie sich nur noch für Düfte. Auf der Suche nach neuen Duftkomponenten unternahm sie weite Reisen.

Am 1. April 1965 starb Helena Rubinstein, deren genaues Alter nicht bekannt ist, in einem New Yorker Krankenhaus. Noch am Vortag ihres Todes hatte sie am Schreibtisch ihrer New Yorker Kommandozentrale gesessen. Sie hinterließ ihren Erben Häuser, Schmuck, Gemälde und ein Kosmetikimperium. Ihr Testament umfasste 121 Einzelerbschaften. Den größten Teil erbte die Gesundheitsfürsorge, weil sie es bedauerte, nicht Ärztin geworden zu sein und Kosmetik nicht zur Medizin fortentwickeln zu können.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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