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Heilige Elisabeth von Thüringen: Das Vorbild der Caritas

Kategorie: Religion
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Wegen ihres hingebungsvollen Einsatzes für die Armen gilt die heilige Elisabeth von Thüringen (1207–1231) als Vorbild für das größte deutsche soziale Unternehmen: die Caritas. Sie gründete nach dem Tod ihres Ehemannes in Marburg (Hessen) ein Hospital und zehrte sich bei der Pflege von Armen und Kranken so auf, dass sie früh starb. Man verehrt sie als Patronin von Hessen, Thüringen, der Bäcker, Bettler, Witwen, Waisen und unschuldig Verfolgten.

Elisabeth kam 1207 als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. (um 1176–1235) und dessen erster Frau Gertrud von Andechs-Meranien (gest. 1213) auf der Burg Sàros-Patak in Nordungarn zur Welt. Man verlobte sie 1211 als Vierjährige mit dem thüringischen Landgrafensohn Hermann und übergab sie – mit einem reichen Brautschatz versehen – am Hof von dessen Vater auf der Wartburg in Thüringen.

Die Erziehung von Elisabeth oblag ihrer Schwiegermutter Sophie. Von den Schwiegereltern wurde die wilde und kaum zu bändigende Elisabeth mehr als skeptisch betrachtet.

Früh erlitt die ungarische Prinzessin harte Schicksalsschläge: 1213 wurde ihre Mutter ermordet, 1215 hauchte ihr väterlicher Beschützer Graf Hermann von Thüringen sein Leben aus. Bevor die geplante Hochzeit Elisabeths mit ihrem Bräutigam Hermann stattfinden sollte, starb auch dieser. Statt mit ihm vermählte man 1221 die 14-Jährige mit dessen Bruder Ludwig IV. dem Heiligen (1200–1227). Das Paar führte sechs Jahre lang eine glückliche Ehe, aus der die drei Kinder Hermann, Sophia und Gertrud hervorgingen.

Während einer großen Hungersnot von 1226, als ihr Gatte beim Reichstag in Cremona weilte, verteilte Elisabeth die in den gräflichen Kornkammern aufbewahrte Jahresernte. Außerdem verkaufte sie ihren Schmuck, gab den Erlös den Armen, teilte Mahlzeiten an Bedürftige aus, verschenkte Kleider und Erntesicheln und ließ am Fuß der Wartburg ein Hospital errichten. Ihr tiefreligiöser Gatte verteidigte sie gegen Kritik wegen ihres unhöfischen Lebensstils und sagte einmal: „Wenn sie mir nur die Wartburg nicht verschenkt, bin ich’s zufrieden".

Elisabeth provozierte ihre Standesgenossen häufig durch ihr mutiges Verhalten und ihren radikalen Glauben. An der Festtafel fragte sie laut, durch welche Betrügereien die Köstlichkeiten beschafft worden seien. Während der Fastenzeit unterzog sie sich härtesten Kasteiungen. Bei kirchlichen Prozessionen ging sie barfuß mit, womit sie eindeutig gegen die damalige Etikette verstieß. Kritiker warfen ihr vor, sie eigne sich eher zu einer Dienstmagd oder bigotten Nonne als zu einer Fürstin.

Ludwig IV. starb am 11. September 1227 zu Beginn eines Kreuzzuges unter Kaiser Friedrich II. (1194–1250) in Otranto (Apulien). Nach dem Tod von Elisabeths Gatten stellte dessen jüngerer Bruder Heinrich Raspe (um 1204–1247) die unbequeme Wohltäterin vor die Wahl, sich entweder dem höfischen Leben anzupassen oder die Wartburg zu verlassen. Die junge Witwe entschloss sich mitten im Winter 1227/1228 für das Letztere und hauste zunächst mit ihren drei kleinen Kindern in einem Schweinestall von Eisenach.

Als Elisabeths Verwandte von ihrem Elend erfuhren, holte sie ihr Onkel Egbert, der Bischof von Bamberg, zu sich und riet ihr vergeblich zu einer zweiten Heirat. Doch die Witwe wollte – nach dem Vorbild der Franziskaner – den Weg der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams gehen. Auf Drängen des Vatikans und Verwandter musste der Thüringer Hof das einbehaltene Witwengut an Elisabeth herausgeben. Daraufhin ging Elisabeth mit ihren Kindern nach Marburg, wo sie ihr Beichtvater, Konrad von Marburg, der seit 1227 päpstlicher Inquisitor und Ketzerrichter in Deutschland war, zu strenger Askese anhielt.

1228 gab Elisabeth unter dem Druck Konrads von Marburg ihre Kinder weg, verzichtete auf ihre treuen Hofdamen Guda und Isentrud, trat als Terziarin in den Dritten Orden der Franziskaner ein und legte am Karfreitag die Gelübde ab. Von da an widmete sie ihr Leben nur noch der Nächstenliebe, geißelte ihren Körper und legte sich Bußen und Fasten auf. Mit Hilfe ihres Witwengutes gründete sie 1228/1229 in Marburg das Franziskus-Hospital, das sie nach dem heiligen Franz von Assisi (1182–1226) benannte, und opferte sich dort im Dienst der Armen- und Krankenpflege auf.

In der Nacht zum 17. November 1231 starb Elisabeth im Alter von nur 24 Jahren – aufgezehrt von der Sorge und dem Mitleid für andere – im Franziskus-Hospital in Marburg. Konrad von Marburg setzte sich unverzüglich für ein Heiligsprechungsverfahren ein, wurde jedoch 1233 wegen seiner erbarmungslosen Strenge von Rittern erschlagen.

Papst Gregor IX. (um 1170–1241) sprach Elisabeth schon zu Pfingsten 1235 in der Dominikanerkirche von Perugia (Italien) heilig. Die von ihm eingesetzte Kommission hatte einen Katalog mit 106 Wunderberichten zusammengestellt. 1235 errichtete der „Deutsche Orden" als Rechtsnachfolger von Elisabeths Marburger Stiftung die Elisabethkirche, in die man 1236 in Anwesenheit von König Friedrich II. (1194–1250) die Gebeine der Heiligen in einen kostbaren Schrein überführte.

1245 wurde der Schrein, der drei Jahrhunderte lang die Reliquien der heiligen Elisabeth barg, mit der Inschrift „Gloria Teutoniae" („Ruhm der deutschen Lande") versehen. Elisabeths Grab in der Marburger Elisabethkirche bildete lange Zeit das Ziel von Wallfahrten, die 1539 ihr Ende fanden, als der mit der Reformation sympathisierende Landgraf Philipp I. von Hessen (1504–1567) die Reliquien größtenteils aus dem Heiligenschrein entfernen ließ, um der Verehrung ein Ende zu bereiten.

Im Kloster der Elisabethinnen an der Landstraße in Wien werden das Haupt und zwei Beinknochen der heiligen Elisabeth aufbewahrt. Andere Reliquienteile befinden sich im „Historischen Museum" in Stockholm. In Andechs, wo Elisabeth als zweite Patronin der Klosterkirche verehrt wird, bewahrt man in der Reliquienkapelle das Brautkleid und ein Brustkreuz der Heiligen auf.

Nach der heiligen Elisabeth sind einige Orden benannt worden. Dazu gehören unter anderem die 1622 in Aachen gegründeten Elisabethinnen, die „Schwestern von der heiligen Elisabeth" und die „Barmherzigen Schwestern von der heiligen Elisabeth" in Essen-Bredeney. Weitere Vereinigungen, die Elisabeths Namen tragen, entstanden in Padua und Neapel.

Die Mildtätigkeit der heiligen Elisabeth von Thüringen ist mehrfach in der bildenden Kunst dargestellt worden. Auf einem um 1340 entstandenen Relief im Magdeburger Dom trägt sie ein Kirchenmodell. Eine um 1360 entstandene Statue im Straßburger Münster zeigt sie im Witwenschleier mit Kanne und Brot, umgeben von Kranken und Armen. In Lübeck erinnert der Elisabeth-Zyklus an sie. Elisabeths Gedenktag ist der 19. November.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://www.antiquitaeten-shop.net
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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