Heilige Elisabeth Ann Bayley Seton: Die erste heilige AmerikanerinKategorie: Religion Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst":
Als Gründerin des ersten Frauenordens der USA, der „Schwestern der Barmherzigkeit" („Sisters of Charity"), machte sich die heilige Elisabeth Ann Bayley Seton (1774–1821), geborene Bayley, verdient. Die erst als erwachsene Frau vom protestantischen zum katholischen Glauben übergetretene Amerikanerin gilt als die erste aus den USA stammende Heilige. Ihr Gedenktag fällt auf den 4. Januar.
Elisabeth Ann Bayley kam 28. August 1774 als Tochter des Arztes Richard Bayley und seiner Frau Catherine in der anglikanischen Pfarrei „Holy Trinity" in New York zur Welt. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter wurden Elisabeth Ann und ihre ältere Schwester 1777 auf das Landgut ihres Onkels nach New Rochelle im US-Bundesstaat New York geschickt. Mit 13 Jahren kehrte Elisabeth Ann Bayley nach New York zurück, wo ihr Vater mittlerweilen neu geheiratet hatte. Bei der Stiefmutter fühlte sie sich nicht besonders wohl. Mit dem Vater jedoch, „der immer mehr ihren Geist erkannte und beurteilte", verstand sie sich gut.
Am 25. Januar 1794 heiratete die 19-jährige Elisabeth Ann Bayley den attraktiven und wohlhabenden Nachkommen einer New Yorker Kaufmannsfamilie, William Magee Seton (1767–1803). In ihrem Heim an der Wall Street in New York waren oft bedeutende Persönlichkeiten zu Gast. Bald gingen aus der Ehe des jungen Paares drei Kinder hervor.
Trotz ihrer vielfältigen Verpflichtungen in der Gesellschaft und der Familie nahm sich Elisabeth Ann Bayley Seton noch Zeit, um sich karitativ zu betätigen. Sie beteiligte sich an der Gründung des so genannten „New Yorker Witwenvereins", der vor allem Bedüftige betreute.
Nach dem Tod seines Vaters 1798 übernahm William Magee Seton die Leitung der Firma und die Sorge für die jüngeren Geschwister. Bald drückte ihn die Last der Verantwortung so schwer, dass seine ohnehin labile Gesundheit spürbar beeinträchtigt wurde. Unsichere Handelsgeschäfte mit dem von Kriegen erschütterten Europa führten zum Bankrott von Setons Firma.
Während dieser schwierigen Zeit standen Elisabeth Ann Bayley Seton ihre Schwägerin Rebecca, die sie später als die „Schwester ihrer Seele" bezeichnete, und der neue Geistliche an der Pfarrei „Holy Trinity", John Henry Hobart (1775–1830), seelisch bei und heilten sie von gewissen romantischen Vorstellungen. 1800 und 1802 schenkte sie noch zwei weiteren Kindern das Leben.
Im Spätsommer 1803 reisten Elisabeth Ann Bayley Seton, ihre älteste achtjährige Tochter und ihr Ehemann nach Italien. Die übrigen Kinder blieben bei Freunden in den USA zurück. William Magee Seton wollte sich im günstigen Klima der Toskana erholen, kehrte aber tragischerweise von dieser Reise nicht mehr zurück.
Bei der Ankunft am 18. November 1803 in Livorno (Italien) durften die Setons nicht an Land gehen, weil die toskanischen Behörden wegen einer in New York grassierenden Gelbfieberepidemie sämtliche von dort kommenden Reisenden unter Quarantäne stellten. Einen Monat lang verbrachten die Setons in einem feuchten, barackenähnlichen Gebäude, in dem der kranke Familienvater vom Fieber geschüttelt wurde.
William Magee Seton überlebte zwar die Quarantäne, starb aber am zweiten Tag nach Weihnachten im Alter von nur 36 Jahren im Haus seiner Gastgeber in Livorno. Als die 29-jährige Witwe mit ihren Gastfreunden, den Brüdern Filippo und Antonio Filicchi, in Florenz zum ersten Mal eine katholische Kirche betrat, war sie vom Anblick des Allerheiligsten fasziniert. Dieses Erlebnis sowie die Lektüre der Werke des heiligen Franz von Sales (1567–1622) und der Mariengebete des heiligen Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) wirkten so lange, dass sie ihre Rückreise in die USA bis zum 7. Apri 1804 hinausschob. Am 15. März 1805 trat sie zum katholischen Glauben über und am Tag von Mariä Verkündigung empfing sie zum ersten Mal die heilige Kommunion.
Am 9. Juni 1808 zog Elisabeth Ann Bayley Seton mit ihren Töchtern von New York nach Baltimore, wo sie fortan als Lehrerin wirkte. Dorthin hatte sie zuvor bereits ihre beiden Söhne geschickt, die von Bischof John Carroll (1735–1815), einem Jesuiten, in das von ihm gegründete College in Georgetown aufgenommen wurden. Carroll war der erste katholische Bischof der USA.
1809 gründete Elisabeth Ann Bayley Seton in dem Dorf Emmitsburg, 18 Meilen von Baltimore entfernt, die Schwesternschaft „Sisters of Charity". Hierfür hatte ihr der Besitzer und Kapitän eines Handelsschiffes, Samuel Sutherland Cooper (1769–1843), der 1807 Katholik und 1818 Priester wurde, 10000 US-Dollar für den Ankauf eines Grundstücks gespendet und zur Auflage gemacht, ihre Einrichtung müsse in Emmitsburg liegen.
Anfangs wurden die Mitglieder der Schwesternschaft, die an der der Pfarrei angegliederten Konfessionsschule in Emmitsburg unterrichteten, auch „Sisters of St. Joseph" genannt. Die Ordensstifterin bekleidete fast ein Jahrzehnt lang das Amt der ersten Generaloberin. Die Konfessionsschule der Schwestern war die erste dieser Art in den USA. Später nahm die Gemeinschaft die Regel der „Töchter der Liebe" des französischen Heiligen und Ordensgründers Vinzenz von Paul (1584–1660) zum Vorbild.
1818 erkrankte Elisabeth Ann Bayley Seton, nachdem sie kurz zuvor die ersten Schwestern mit dem Auftrag, Waisenhäuser und Schulen zu gründen, nach Philadelphia und New York entsandt hatte. Die von ihr geschaffene Konfessionsschule breitete sich über die ganzen USA aus.
Elisabeth Ann Bayley Seton starb am Morgen des 4. Januar 1821 im Alter von 46 Jahren in Emmits-burg. Ihre letzten Worte lauteten: „Seid Kinder der Kirche, bleibt Kinder der Kirche". Papst Johannes XXIII. (1881–1963) sprach sie 1963 selig und Papst Paul VI. (1897–1978) am Sonntag, 14. September 1975, heilig. An der Heiligsprechung unter freiem Himmel auf dem Petersplatz in Rom nahmen etwa 60000 Menschen, darunter circa 15000 Amerikaner, teil. Die Zeitung „L’Osservatore Romano" berichtete über dieses Ereignis ausführlich und stellte das Leben und Werk der neuen Heiligen in einem Porträt vor.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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