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Heilige Edith Stein: Die frühe Laientheologin und spätere Märtyrerin

Kategorie: Religion
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine der ersten Laientheologinnen Deutschlands wurde die Karmelitin und Philosophin Edith Stein (1891–1942). Die Tochter einer kinderreichen jüdischen Familie wechselte im Alter von 30 Jahren zum katholischen Glauben über. Sie und ihre Schwester Rosa mussten in der Gaskammer des Konzentrationslager Birkenau bei Auschwitz ihr Leben lassen.

Edith Stein kam am 12. Oktober 1891 als jüngstes von elf Kindern des Holzhändlers Siegfried Stein und seiner Frau Auguste in Breslau (Schlesien) zur Welt. Von ihren zahlreichen Geschwistern sind vier schon früh gestorben. Weil Edith am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Tag des Sündenbekenntnisses und der Läuterung, geboren wurde, betrachtete ihre tiefreligiöse Mutter sie als etwas Besonders und liebte die Jüngste mehr als die anderen Kinder.

Im Juli 1893 ist Ediths Vater auf tragische Weise ums Leben gekommen. Er fuhr an einem glühend heißen Tag aufs Land, um Holz zu kaufen, ging im Wald ein Stück zu Fuß und erlitt dabei einen Hitzschlag. Ein Briefträger sah ihn zwar am Boden liegen, dachte aber irrtümlich, er wolle sich nur ausruhen, und ging vorbei. Erst als der Postbote Stunden später den vermeintlich Schlafenden immer noch an derselben Stelle liegen sah, bemerkte er, dass der Mann tot war.

Nach dem Tod ihres Ehemanns leitete Auguste Stein die Holzhandlung. Ihre Tochter Edith hatte im Alter von 15 Jahren – nach eigener Aussage – Gott total aus ihrem Leben gestrichen und „sich das Beten ganz bewusst aus freien Stücken abgewöhnt". Nach dem Verlassen der Viktoriaschule in ihrem Geburtsort studierte die hochbegabte Edith an der Universität Breslau Germanistik und Geschichte. Ihr Berufsziel war es, Lehrerin zu werden.

Großes Aufsehen erregte Edith Stein, als sie bei dem jüdischen Psychologen und Philosophen Professor William Stern (1871–1938) in Breslau auch Philosophie belegte, was damals für eine Frau geradezu als unerhört galt. Ähnlich betrachtet wurde ihr 1913 erfolgter Wechsel nach Göttingen zu dem Philosophen Professor Edmund Husserl (1859–1938) für dessen Lehre der Phänomenologie sie sich stark interessierte. Husserls Assistent war der aus einer angesehenen jüdischen Mainzer Familie stammende Dr. Adolf Reinach (1883–1917).

Im Juli 1916 reiste Edith Stein nach Freiburg im Breigau, wohin Professor Edmund Husserl berufen worden war und wo sie promovieren wollte. Sie unterbrach die Reise in Mainz und fuhr mit ihrer Freundin, der Mainzer Fabrikantentochter Pauline Reinach (1866–1944), nach Frankfurt am Main, wo sie im Dom eine Szene beobachtete, die sie tief beeindruckte.

Über dieses Erlebnis schrieb sie: „Wir traten für einige Minuten in den Dom, und während wir in ehrfürchtigem Schweigen dort verweilten, kam eine Frau mit ihrem Marktkorb herein und kniete zu einem kurzen Gebet in einer Bank nieder. Das war für mich etwas ganz Neues. In die Synagogen und in die protestantischen Kirchen, die ich besucht hatte, ging man nur zum Gottesdienst. Hier aber kam jemand mitten aus den Werktagsgeschäften in die menschenleere Kirche wie zu einem vertrauten Gespräch. Das habe ich nie vergessen können".

Im November 1917 fiel Dr. Adolf Reinach im Alter von 34 Jahren als Leutnant in Flandern. Um seinen Nachlass zu ordnen, fuhr Edith Stein nach Göttingen. Dort traf sie dessen Witwe Anna, mit der Reinach vom jüdischen zum evangelischen Glauben übergetreten war. Sie wunderte sich, statt einer verzweifelten Witwe eine gefasst wirkende Frau vorzufinden, die den Tod ihres Gatten als von Gott bestimmt hinnahm.

1921 entschloss sich Edith Stein während des Besuches bei ihrer evangelischen Freundin Hedwig Conrad-Martius (1888–1966) in Bergzabern, zum katholischen Glauben überzutreten. Was sie zu diesem Schritt bewog, ist unbekannt. Am 1. Januar 1922 wurde Edith Stein in Bergzabern getauft, wobei ihre evangelische Freundin mit bischöflicher Erlaubnis als Taufpatin fungierte. Bald danach – am 22. Februar 1922 – firmte der Speyerer Bischof Ludwig Sebastian (1862–1943) die 27-Jährige in seiner Privatkapelle. Als Edith Stein ihrer Mutter kniend erklärte: „Mutter, ich bin katholisch", brachen beide in Tränen aus.

Von 1923 bis 1931 unterrichtete die „Doktorin der Philosophie" Edith Stein als Lehrerin am Dominikanerinnenkloster St. Magdalena in Speyer. 1924 erschien ihr Werk „Eine Untersuchung über den Staat" und 1931 „Das Ethos der Frauenberufe". Im Frühjahr 1932 folgte sie einem Ruf als Dozentin an das Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Als dort nationalsozialistische Studentinnen lautstark Störversuche unternahmen, war die zarte Frau mit ihrer leisen Stimme dem im Bemühen um eine sachliche Diskussion nicht gewachsen. Ungeachtet dessen nahm sie ein Angebot aus Südamerika nicht an.

1933 trat Edith Stein in den Orden der Karmelitinnen in Köln-Lindenthal ein. Am 15. April 1934 fand das Fest der Einkleidung statt, wofür ihr ihre ältere Schwester Rosa aus Breslau die weiße Seide für ihr Gewand geschickt hatte. Ihr Ordensname war fortan „Teresia Benedicta a Cruce". 1936 folgte Rosa Stein, die sich ebenfalls katholisch taufen ließ, ihrer Schwester ins Kölner Kloster.

Unter dem Eindruck der sich verstärkenden Judenverfolgungen verfasste Schwester Teresia Benedicta am 9. Juli 1939 ihr Testament. Darin schrieb sie unter anderem: „Schon jetzt nehme ich den Tod, den mir Gott zugedacht hat, in vollkommener Unterwerfung unter seinen heiligsten Willen mit Freuden entgegen. Ich bitte den Herrn, daß er mein Leben und Sterben annehmen möchte... zur Sühne für den Unglauben des jüdischen Volkes..., für die Rettung Deutschlands und den Frieden der Welt, schließlich für meine Angehörigen, Lebende und Tote, und alle, die mir Gott gegeben hat: dass keines von ihnen verlorengehe".

Schon nach dem Juden-Pogrom vom 9. November 1938 war Schwester Teresia Benedicta auf Drängen ihrer Priorin in das niederländische Karmelitinnenkloster Echt übergesiedelt, wo man sie und ihre Schwester Rosa in Sicherheit glaubte. Doch dies erwies sich als ein folgenschwerer Irrtum.

Am Sonntag, 2. August 1942, wurden Schwester Teresia Benedicta und ihre Schwester Rosa im Kloster Echt von der „Geheimen Staatspolizei" („Gestapo") verhaftet. Teresia Benedicta ergriff die Hand ihrer Schwester, die verstört auf der Klosterschwelle verharrte, und sagte zu ihr: „Komm, wir gehen für unser Volk". Vermutlich sind die beiden Frauen schon wenige Tage später – am 9. August 1942 – in der Gaskammer des Konzentrationslagers Birkenau bei Auschwitz ermordet worden.

Außer Edith und Rosa Stein mussten auch deren Bruder Paul, dessen Frau sowie ihre Schwester Elfriede in Konzentrationslagern ihr Leben lassen. Drei andere Geschwister konnten nach Süd- und Nordamerika fliehen.

1950 erschien postum Edith Steins Werk „Endliches und Ewiges Sein. Versuch eines Aufstiegs zum Sein". 1987 wurde die Märtyrerin, die ihr Leben als Sühneopfer einsetzte, von Papst Johannes Paul II. in Köln selig gesprochen. Er ehrte damit eine tiefreligiöse Frau, hochbegabte Wissenschaftlerin, Kämpferin für die Rechte der Frauen in Studium und Beruf und jüdische Märtyrerin.

Ab 12. Oktober 1991 beging man in Speyer den 100. Geburtstag von Edith Stein mit einer dreitägigen Feier. Am 11. Oktober 1998 erfolgte ihre Heiligsprechung durch Papst Johannes Paul II. in Rom.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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