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Heilige Birgitta von Schweden: Die Schutzherrin der Pilger

Kategorie: Religion
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Als Gründerin des Birgittenordens, den man auch Erlöserorden nennt, ging die heilige Birgitta von Schweden (1302/1303–1373) in die Geschichte der katholischen Kirche ein. Man verehrt sie als Patronin Schwedens, für eine gute Todesstunde und der Pilger, weil sie in ihrem Leben viel unterwegs war. Sie hinterließ mindestens acht dicke Bücher, zu denen sie von Jesus Christus inspiriert wurde.

Birgitta (Brigitta) wurde 1302/1303 als Tochter des Landvogts Birger Pederson und seiner Frau Ingeborg Bengtsdotter aus dem Geschlecht der Folkunger auf Gut Finsta bei Uppsala in Schweden geboren. Bereits ab ihrem siebten Lebensjahr erlebte sie Visionen des gekreuzigten Jesus Christus, der wollte, dass sie seine Botschaften weitererzählte.

Im Alter von nur 13 Jahren heiratete Birgitta auf Wunsch ihres damals bereits verwitweten Vaters den 18-jährigen Adligen Ulf Gudmarsson. Während ihrer glücklichen Ehe brachte Birgitta vier Söhne und vier Mädchen zur Welt. Eines der Kinder war Karin, die spätere heilige Katharina von Schweden (1331–1381).

Das Ehepaar hatte eine einflussreiche Stellung im Königreich Schweden. Ulf Gudmarsson bekleidete das Amt des Landvogts der Provinz Närke in Mittelschweden, Birgitta verwaltete die ausgedehnten Familiengüter und erwarb mit Hilfe der Hauslehrer ihrer Kinder eine für ihre Zeit ungewöhnlich hohe Bildung.

Birgitta war fleißig, freigebig und gastlich. Sie arbeitete in der Küche, im Waschhaus und im Garten, sah in Molkerei, im Brauhaus und in der Mühle nach dem Rechten, stiftete Spitäler, unterstützte Klöster, ließ Kirchen und Schulen erbauen und speiste täglich zwölf Arme an ihrem Tisch. Weil sie schöne Gewänder und Prachtentfaltung liebte, flehte sie Gott an, er möge sie von Hoffahrt und Lust an der Welt befreien.

1335 wurde die 33-jährige Birgitta zur Hofmeisterin der Grafentochter Blanka von Namur (1318–1363), der Gemahlin ihres jungen Vetters König Magnus II. Eriksson (1316–1374) berufen. Gleich bei ihrer Ankunft erklärte sie: „Der König muss so beschaffen sein, dass er von den Jüngeren gefürchtet, von den Älteren geehrt, von den Weibern gelobt, von den Gerechten geliebt und von den Unterdrückten herzlich begehrt wird". Niemals dürfe ein König vergessen, dass er Gott und seiner Kirche Treue und Gehorsam schulde.

Als der Herrscher sich nicht an diese Ideale hielt, beschimpfte ihn Birgitta als „Kind auf dem Königsthron", „Hasenherz" und „gekrönten Esel". Sie ermahnte auch Blanka von Namur vielfach, was jedoch noch weniger fruchtete als bei deren Gatten. Birgitta charakterisierte ihre Herrin einmal als „abgenagtes Apfelgehäuse".

Der König befolgte zwar oft Birgittas Rat, aber für grundlegende Veränderungen reichte ihr Einfluss nicht aus. Deshalb verließ Birgitta den Hof und pilgerte 1341/1342 mit ihrem Ehemann zu Fuß von Schweden nach Spanien, wo beide das mythische Grab des Apostels Jakob in Santiago de Compostela aufsuchten. Nach dieser strapaziösen Reise erkrankte ihr Gatte lebensgefährlich, er starb 1344 im Zisterzienserkloster Alvastra.

In Alvastra erlebte die 42-jährige Witwe himmlische Visionen, bei denen ihr Gott befahl, an den Hof des Königs Magnus II. Eriksson nach Schweden zurückzukehren sowie ihn zu warnen und zu ermahnen. Im Bußkittel prangerte sie vor dem eleganten Hofstaat die Verschwendungssucht der Großen, das Raubritterunwesen, die Grausamkeit der Steuern eintreibenden Vögte, die Schändung des Sonntags und das unsittliche Leben der Geistlichkeit an.

König Magnus II. Eriksson wurde von der Rede der prophetisch begabten Birgitta tief beeindruckt. Er bekannte öffentlich sein Unrecht, verfügte Verordnungen gegen Wucher sowie zum Schutz der Witwen und Waisen und erließ den Armen die Steuern. 1346 schenkte der König der Mystikerin das Schloss Vadstena (Bjälboättens-Palast) in Südschweden, wo Birgitta noch im selben Jahr das erste Kloster für den neuen Birgittenorden („Ordo Sanctissimi Salvatoris" = OSSalv, deutsch: „Orden des Allerheiligsten Erlösers") gründete.

Als Birgitta den von Magnus II. Eriksson geforderten Krieg gegen Rußland ablehnte, feindeten der König, der Hof und die Priester sie an. Man beschimpfte, kränkte und verhöhnte sie wegen ihrer Visionen, was sie gelassen ertrug. Der Krieg Schwedens gegen Rußland endete mit einer vernichtenden Niederlage.

Danach prophezeite Birgitta die Pest, die 1348 ganz Europa plagte. Auch andere Vorhersagen Birgittas sind später in Schweden eingetroffen. Trotzdem hörte Magnus II. Eriksson nicht auf sie. Es kam zum Bürgerkrieg, der König verlor seinen Thron, schmachtete sieben Jahre im Kerker, ertrank vor der norwegischen Küste, und seine Frau wurde vergiftet.

Birgitta wäre gerne Nonne in dem von ihr gegründeten Kloster Vadstena geworden, doch Gott schickte sie nach Rom, wo sie 1349 eintraf. Dort wollte sie mit Hilfe ihrer Tochter Katharina die Anerkennung für ihren Orden erreichen. In Rom trat sie auch mutig für die Eintracht der sozialen Stände, den Frieden zwischen den Völkern, die Wiedervereinigung der Ost- und Westkirche sowie für die Versöhnung von Papst und Kaiser ein.

1370 bestätigte Papst Urban V. (um 1310–1370) die Regeln für den Birgittenorden. Im Frühjahr 1372 unternahm Birgitta eine Pilgerreise ins Heilige Land, während der sie die Königin Eleonora von Zypern besuchte, der sündigen Bevölkerung der Mittelmeerinsel den Untergang androhte und bei einem Sturm ihre letzte Habe verlor. 1373 wurde Zypern von Genua und später von den Türken erobert.

Auch Neapels Königin Johanna I. von Anjou (um 1326–1382) schlug Birgittas Warnungen, sie solle ihr lasterhaftes Leben ändern, in den Wind. Neapel erlebte in der Folgezeit verheerende Kriege, Königin Johanna wurde exkommuniziert, abgesetzt und endete gewaltsam im Kerker.

Am 23. Juli 1373 starb Birgitta während einer Messe in Rom. Ihre letzten Worte waren: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist". Die Christenheit betrauerte sie als ihre Mutter und als eine Prophetin, die von Gott erweckt wurde, um die Kirche und das entartete christliche Abendland zu reformieren.

1374 überführte Katharina von Schweden die sterblichen Überreste ihrer Mutter von Rom über Polen nach Vadstena in Schweden. Ein abgetrennter Arm der Toten blieb als Reliquie in Rom zurück. Bald danach entstand in Danzig das erste Tochterkloster des Ordens. Dort besuchten Lech Walesa und seine katholischen Genossen von der Gewerkschaft „Solidarnos´c´" die Sonntagsmesse in der Birgittenkirche, die das der Lenin-Werft am nächsten gelegene Gotteshaus ist.

Am 7. Oktober 1391 sprach Papst Bonifatius IX. (um 1350–1404) Birgitta heilig, wofür sich deren Tochter Katharina besonders engagiert hatte. Der Heiligsprechungskommission lagen Birgittas acht Bücher der „Offenbarungen" vor, die 1492 erstmals in Lübeck und 1521 in Nürnberg gedruckt wurden. Diese acht Bände blieben bis ins 18. Jahrhundert das am weitesten verbreitete christliche Erbauungsbuch.

Ein neunter Band enthält verstreute kleinere Offenbarungen Birgittas. Diese so genannten „Außergewöhnlichen Offenbarungen" („Revelationes extravagantes") wurden nach dem Tod von Birgitta von einem geistlichen Begleiter zusammengestellt. Aus ihrer Feder stammen auch kleinere Schriften wie die Ordensregel und mehrere Gebete.

Der Birgittenorden umfasste im 15. Jahrhundert schon dreißig Klöster. Die meisten Birgittenklöster wurden jedoch bereits während der Reformation im 16. Jahrhundert geschlossen. In Deutschland existiert nur noch ein Birgittenkloster in Altomünster (Bayern). Birgittas Gedenktag feiert man am 23. Juli, den ihrer Tochter Katharina am 24. März.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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