Grete Rehor: Österreichs erster weiblicher MinisterKategorie: Politik Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Die erste Frau, die in Österreich ein Ministeramt ausübte, war die der „Österreichischen Volkspartei" angehörende Politikerin Margarete (Grete) Rehor (1910–1987), geborene Daurer. Sie fungierte von 1966 bis 1970 als Sozialministerin und galt als große Sozialreformerin. Zuvor wirkte sie als engagierte Gewerkschafterin und Arbeitnehmer-Politikerin. Ihr Leitspruch lautete: „Tu was!"
Grete Daurer wurde am 30. Juni 1910 als zweites von drei Kindern des Beamten Karl Daurer und seiner Frau Anna, einer diplomierten Krankenschwester, in Wien geboren. Ihr Vater kam aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr zurück, er galt seit ca. 1918 als vermisst. Das Mädchen wuchs in einem Frauenhaushalt auf, in dem wirtschaftliche Not herrschte.
Nach der fünfklassigen Volksschule in Wien-Josefstadt besuchte Grete Daurer die Bürgerschule, einen einjährigen Lehrkurs am Lehrerseminar und von 1925 bis 1927 eine private Handelsschule. Ihren ursprünglichen Wunsch, Lehrerin zu werden, konnte sie aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen. Ab dem 14. Lebensjahr verdiente sie ihren Lebensunterhalt und das Schulgeld durch verschiedene Tätigkeiten, später als Textilarbeiterin.
Nach dem Verlassen der Handelsschule arbeitete Grete Daurer ab 1927 als Kontoristin in einer Wiener Textilfirma. Von 1929 bis 1938 war sie zunächst Angestellte und später Sekretärin im „Zentralverband der christlichen Textilarbeiter Österreichs". Sie wurde Mitarbeiterin des damaligen Zentralsekretärs und späteren Vizepräsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Erwin Altenburger (1903–1984). Im Alter von 19 Jahren erlebte sie den Tod ihrer Mutter.
1933 wurde Grete Daurer Vorstandsmitglied im „Internationalen Bund Christlicher Textilarbeiter". 1935 heiratete sie den christlichen Gewerkschafter und späteren Wiener Stadtrat Karl Rehor (1906–1943). Ihr Mann gründete zusammen mit Josef Klaus die christliche Jugendbewegung „Junge Front im Arbeiterbund", deren Mitglieder grüne Hemden trugen.
1938 brachte Grete Rehor ihre Tochter Marielies zur Welt. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde ihr Mann verhaftet, von seiner Arbeitsstelle entlassen, bis 1939 ins Gefängnis eingesperrt und 1940 zur Wehrmacht eingezogen. Karl Rehor ist vermutlich 1942 in Stalingrad (Russland) gefallen, seit Januar 1943 galt er als vermisst.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war Grete Rehor Fachgruppensekretärin der Weber in der „Gewerkschaft der Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter". Von 1948 bis 1967 bekleidete sie als erste Frau das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden dieser Gewerkschaften für die Fraktion Christlicher Gewerkschafter.
Zwischen 1949 und 1971 fungierte Grete Rehor als erste weibliche Obmann-Stellvertreterin im „Österreichischen Arbeiter- und Angestelltenbund" (ÖAAB). Im selben Jahr zog sie auch als Spitzenkandidatin der „Österreichischen Volkspartei" (ÖVP) des Wahlkreises 7 (Wien-West) in den Nationalrat ein, dem sie bis 1970 angehörte. Als Mitglied von Parlamentsausschüssen befasste sich sich mit Problemen der Sozial- und Wirtschaftspolitik, der Konsumenten und der berufstätigen Frau. Ihre Arbeit als Familienpolitikerin wurde allgemein anerkannt.
Von 1957 bis 1974 war Grete Rehor Bundesfrauenreferentin des ÖAAB sowie von 1960 bis 1967 und von 1970 bis 1974 Stellvertreterin der Bundesleiterin der „Österreichischen Frauenbewegung".
Am 6. März 1966 errang die ÖVP bei der Nationalratswahl mit 85 Mandaten die absolute Mehrheit und stellte nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der „Sozialistischen Partei Österreichs" (SPÖ) eine Alleinregierung. Bundeskanzler Josef Klaus berief Grete Rehor als Bundesministerin für Soziales in sein Kabinett, womit deren politische Laufbahn gekrönt wurde. Ab 1966 bis 1970 gehörte sie dem Bundesparteivorstand der ÖVP an. Während ihrer Amtszeit von 1966 bis 1970 als Sozialministerin entschied Grete Rehor über wichtige Vorhaben. Dazu gehörten das Arbeitsmarktförderungsgesetz, das Hausbesorgergesetz, die Weiterführung der Kodifikation des Arbeitsrechts und die Einführung des 8. Dezember als Feiertag. Das Amt als Sozialministerin behielt sie bis zum Wahlsieg der SPÖ im Jahre 1970 und der anschließenden Bildung einer SPÖ-Regierung unter Bruno Kreisky (1911–1990).
Am 28. Januar 1987 starb Grete Rehor im Alter von 77 Jahren in Wien. Zur Erinnerung an sie beschloss der Wiener Gemeinderat im Mai 1996 einstimmig, die Parkanlage zwischen dem Justizpalast und Parlament solle Grete-Rehor-Park heißen.
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