Gloria Swanson: Die Mondäne auf der LeinwandKategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
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Zum Stummfilmstar der 1920-er Jahre entwickelte sich die amerikanische Schauspielerin Gloria Swanson (1897–1983), eigentlich Gloria Josephine Mae Swenson. Sie brachte das Mondäne auf die Leinwand und glänzte vor allem in romantischen und verrückten Komödien. Sogar die Inschrift auf ihrem Grabstein zeugt noch von ihrem Humor. Der von ihr gewünschte Text lautet: „Sie bezahlte alle Rechnungen selbst. Das ist die Geschichte ihres Lebens".
Gloria Josephine Mae Swenson wurde am 27. März 1897 als Tochter eines Berufsoffiziers in Chicago geboren. Sie besuchte zahlreiche Schulen in verschiedenen Städten und studierte am „Chicago Art Institute". 1913 stand sie im Alter von 16 Jahren beim „Essanay-Studio" in Chicago als Komparsin vor der Kamera.
1916 heiratete Gloria ihren Schauspielerkollegen Wallace Beery (1885–1949). Ihr Ehemann war bis dahin bereits Bahnarbeiter, Schmied, Elefantenwärter im Zirkus, Schauspieler, Komiker, Studio Manager und Produzent gewesen. Mit ihrem Gatten wechselte sie zu „Mack Sennetts Keystone Company" nach Hollywood (Kalifornien).
Von 1919 bis 1921 drehte Gloria Swanson in Hollywood mit dem Regisseur Cecil B. DeMille (1881–1959) sechs Stummfilme. Bereits im ersten davon mit dem Titel „Don’t change your husband" (1919) brillierte sie exotisch kostümiert, hingehaucht auf den Rücken schwarzer Sklaven und ließ den kostbaren Inhalt einer Schatztruhe genießerisch durch die Finger gleiten.
Als Gloria Swansons erster großer Erfolg galt der Film „Male and female" („Männlich und weiblich", 1919). Damals färbte man noch das Wasser, in dem sie badete, um nicht gegen die Moral zu verstoßen. Während der ersten Hälfte der 1920-er Jahre wirkte sie in einer Serie von Spitzenfilmen mit, die sie zum Star und zum Inbegriff des Hollywood-Glamours machten. Man bezeichnete sie damals zeitweise als „Queen of Hollywood".
Als filmisches Ereignis galt Gloria Swansons Mitwirkung in dem Film „Madame Sans Gêne" (1924), der in Paris entstand. Vor der Rückkehr von den Dreharbeiten für diesen Streifen kabelte sie aus Frankreich an ihr Studio: „Sorgt für Ovationen". In die USA kam sie mit dem frisch angetrauten Marquis Henri Le Bailly de la Falise de la Coudraye zurück.
Die nur 1,50 Meter große Gloria Swanson war von Kopf bis Fuß ein Star. Auf der Leinwand trug sie funkelnde Diademe, bizarre Federn, kostbaren Brokat, glitzernde Seidenroben und prächtige Silberfüchse. Über ihr Publikum sagte sie, dieses habe die Wirklichkeit nicht sehen wollen, und sie habe sich gehütet, sie ihnen zu zeigen. Sogar im Privatleben glitt sie in ihrem Auto mit echten Tigerfellsitzen über den „Sunset Boulevard" von Hollywood.
Bis etwa 1960 wirkte Gloria Swanson in ungefähr 60 Filmen mit. Dazu gehören neben „Don’t change your husband" (1919) unter anderem „The Impossible Mrs. Bellew" (1922), „Bluebeard’s Eight Wife" (1923), „Zaza" („Zaza, das Mädel vom Varieté", 1923), „Sadie Thompson" („...aber das Fleisch ist schwach", 1928), „Tonight or Never" (1931) und „Music in the Air" („Liebesreigen", 1934). Ihre Welt war der Stummfilm gewesen, mit dem Tonfilm verschwand sie langsam von der Leinwand.
1926 gründete Gloria Swanson ihre eigene Produktionsfirma im Rahmen der „United Artists". Dabei wurde sie von dem Bankier Joseph Kennedy (1888–1969) und Vater des späteren US-Präsidenten, John F. Kennedy (1917–1963), finanziell unterstützt. Der verheiratete Bankier war – was sie später in ihren Memoiren verriet – ihr Liebhaber. Erich von Stroheims (1888–1957) kostspieliger Flop „Queen Kelly" („Königin Kelly", 1928) führte 1932 zum Bankrott von „Gloria Swanson Productions".
Ab Beginn der 1930-er Jahre war Gloria Swanson beim Publikum als „Femme fatale" immer weniger gefragt. Nach dem von „Metro-Goldwyn-Mayer" produzierten Musical „Music in the Air" (1934) kehrte sie der Leinwand den Rü-cken. Fortan widmete sie sich ihren zahlreichen Unternehmungen, zu denen im Laufe der Zeit ein Modehaus in Rom, Fabriken und eine Reiseagentur gehörten.
Während der 1940-er Jahre stand Gloria Swanson häufig auf der Bühne. Man sah sie in den Stücken „Reflected Glory", „Let Us Be Gay" und „A Goose for an Gander". In dem Film „Father Takes a Wife" („Vater nimmt sich eine Frau", 1941) gab es ein Wiedersehen mit ihr im Kino an der Seite des amerikanischen Schauspielers Adolphe Menjou (1890–1963).
Ein glänzendes Comeback feierte Gloria Swanson in dem biographischen Film „Sunset Boulevard" (1950, deutsch: „Boulevard der Dämmerung") von Billy Wilder. In diesem Welterfolg mimte sie den Stummfilmstar Norma Desmond, der seelisch nicht damit fertig wird, in Vergessenheit geraten zu sein. Es folgten weitere Filme – wie „Three for Bedroom C" (1952), „Mio figlio Nerone" („Neros tolle Nächte", 1956) und „Airport" (1975), die weniger Erfolg hatten.
1959/1960 ging Glora Swanson mit dem Stück „Red Letter Day", 1961/1962 mit „Between Seasons" und 1962/1963 mit „the Inkwell" auf Gastspielreisen. Letztere Tournee wurde 1967 wiederholt. 1971 glänzte sie in „Butterflies Are Free" am Broadway in New York. Zudem sah man sie auf dem Bildschirm und bei Talkshows. Außerdem gründete sie das Unternehmen „Essence of Nature Cosmetics" und betätigte sich als Malerin und Kostümdesignerin.
Gloria Swanson heiratete sechs Mal, wurde fünf Mal geschieden, brachte zwei Töchter zur Welt und adoptierte einen Jungen. Ihr erster Ehemann war – wie erwähnt – Wallace Beery von 1916 bis 1919, ihr zweiter Herbert K. Somborn von 1919 bis 1922, ihr dritter der Marquis Henri Le Bailly de la Falise de la Coudraye von 1924 bis 1930, ihr vierter Michael Farmer von 1931 bis 1934, ihr fünfter William Davey von 1945 bis 1948 und ihr sechster der Autor William Duffy von 1974 bis 1981.
Als Gloria Swanson mit 75 in einem Fernsehfilm eine 80-jährige Frau spielte, musste sie erst künstlich „gealtert" werden, damit man ihr die Rolle glaubte. Kurz vor ihrem 80. Geburtstag sagte sie einem Journalisten, man sehe jünger aus, wenn das tue, was man gern tue. Sie verriet damals auch, sie mache keine Gymnastik, habe beim Schwimmen Angst, tanze, schieße, fotografiere und lese gerne, schlafe nie nackt und halte Kartenspielen für Zeitvergeudung. 1980 erschienen Gloria Swansons Memoiren „Swanson on Swanson", für die sie von einem New Yorker Verlag einen Vorschuß von einer halben Million US-Dollar erhielt. Im Alter zweifelte sie an Ruhm, Karriere und Starmythos und klagte, Schauspielerinnen seien eigentlich nur Sardinen, die in Büchsen rund um die Welt verschifft würden.
Am 4. April 1983 erlag Gloria Swanson im Alter von 86 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus „friedlich im Schlaf" einem Herzversagen. Im Sommer 1998 zierte sie in den USA eine 32-Cent-Briefmarke der Serie „Legends of American Music".
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Veröffentlicht von: Ernst Probst Web: http://buecher-von-ernst-probst.blogspot.com Kontakt: e-mail
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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