Elizabeth Arden: Die Spitzenkosmetikerin der USAKategorie: Schönheit Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Eine der erfolgreichsten Kosmetikerinnen Amerikas war Elizabeth Arden (1891–1966), eigentlich Florence Nightingale Graham. Ihr Lebenslauf klingt wie das Märchen von Aschenbrödel. Zu Beginn ihrer Karriere als junge Geschäftsfrau gründete sie mit gepumptem Geld in New York einen kleinen Schönheitssalon. Gegen Ende ihres Lebens besaß sie ein großes Unternehmen mit insgesamt 220 Schönheitssalons in aller Welt.
Florence Nightingale Graham wurde am 31. Dezember 1891 als Tochter schottisch-englischer Einwanderer in Woodbridge bei Toronto in Kanada geboren. In Kanada erhielt sie auch ihre Erziehung und Schulbildung. Ins Berufsleben startete sie zunächst als Krankenschwester, später arbeitete sie als Bürokraft und zahnärztliche Helferin.
1908 zog die unternehmungslustige junge Frau nach New York in die USA, wo sie anfangs als Sekretärin und zuletzt in der Londoner Kosmetikfirma „Eleanor Adair" tätig war. Bei letzterer Firma erwarb sie die kosmetischen Kenntnisse, die für ihr weiteres Leben bedeutsam wurden.
Mit 6000 US-Dollar, die sie von ihrem Bruder lieh, eröffnete Florence Nightingale Graham 1910 zusammen mit Elizabeth Hubbard in New York einen kleinen Schönheitssalon, heute steht an dieser Stelle das siebenstöckige palastartige Arden-Gebäude. Als die Partnerschaft zwischen den beiden Frauen endete, führte Florence Nightingale Graham ab 1910 die Firma unter dem Namen „Elizabeth Arden" weiter.
Das damals neuartige Unternehmen schlug so gut ein, dass Elizabeth Arden bald das geliehene Geld zurückzahlen konnte. Anfangs verkaufte sie vor allem Cremes und Gesichtswässer, die sie ab 1914 von eigenen Chemikern herstellen ließ. Später entwickelte sie eine Philosophie, die sie „the concept of total beauty" („Konzept der totalen Schönheit") nannte. Nach ihrer Auffassung war moderne Schönheit nicht ein geschickt aufgetragenes Make-up, sondern ein kluges Zusammenwirken mit der Natur, in dessen Rahmen es die besten Gaben einer Frau zu entwickeln gebe.
In Elizabeth Ardens Salons pflegte man nicht nur das Gesicht, sondern die ganze Frau. Ein Termin umfasste gymnastische Übungen, Dampfkabinett, Massage, Erneuerung der Frisur, Maniküre, Pediküre, ein neues Gesichts-Make-up und einen Lunch. Der Preis dafür – ohne Trinkgeld – betrug in den USA etwa 50 US-Dollar. Auf Wunsch war auch ein Paraffinbad möglich.
Außerdem konnten sich Kundinnen von Elizabeth Arden in eigens geschaffenen „Main Chance", Schönheitsfarmen in Mount Vernon (Maine) und Phoenix (Arizona), über einen längeren Zeitraum behandeln lassen. Dort gab es sorgfältig geplante Tagesabläufe und speziell zusammengestellte Speisekarten. Pro Woche berechnete man 750 US-Dollar.
1915 heiratete Elizabeth Arden ihren ersten Mann Thomas Jenkins Lewis (1875–1970). Ebenfalls 1915 eröffnete sie einen großen Salon in der New Yorker „Fifth Avenue", wenig später entstanden Zweigstellen in Washington und Boston. 1922 kam in der französischen Hauptstadt Paris der erste Schönheitssalon im Ausland dazu.
1935 wurde Elizabeth Ardens erste Ehe mit Thomas Jenkins Lewis geschieden. Danach schloss sie ihre zweite Ehe mit dem russischen Prinzen Michael Evanoff, die nicht viel mehr als ein Jahr hielt. Die Universität Syracuse im US-Bundesstaat New York verlieh ihr 1949 den juristischen Ehrendoktortitel.
In den 1960-er Jahren existierten schon mehr als 20 Arden-Salons in den USA und etwa 200 andere in aller Welt. Damals wurden etwa 300 verschiedene Kosmetikartikel hauptsächlich über Fachgeschäfte und anspruchsvollere Warenhäuser sowie teilweise über die Arden-Salons abgesetzt. Für ihre Schönheitsprodukte kreierte Elizabeth Arden selbst die Namen.
Außer ihrem Stammhaus in New York besaß Elizabeth Arden etliche kosmetische Fabriken in den USA und im Ausland sowie die zwei erwähnten Landgüter in Mount Vernon und Phoenix, auf denen sich Politikerinnen, Königinnen und Schauspielerinnen wochenlang ihrer Schönheits- und Körperpflege widmen konnten. In ihren Schönheitsfarmen wurden Diät, Sport, Haltungs- und Yoga-Übungen gelehrt. Weihnachten 1956 eröffnete sie in New York den ersten Schönheitssalon für Männer.
Gerne erzählte Elizabeth Arden ein Erlebnis mit einem Taxifahrer, der sie zu einer ihrer Fabriken chauffierte und ihr erklärte, seine Frau meine, es gebe gar keine Elizabeth Arden. Hinter diesem Namen verstecke sich in Wirklichkeit irgendein geschäftstüchtiger Mann.
Die größte Konkurrentin der Amerikanerin Elizabeth Arden war die aus Polen stammende Helena Rubinstein (1870–1965). Der wirtschaftliche Wettstreit der beiden Kosmetikerinnen gipfelte darin, dass die Amerikanerin 1938 der Polin den Geschäftsführer Harry Johnson abwarb und Frau Rubinstein 1939 den früheren Mann von Frau Arden, Thomas Jenkins Lewis, mit der Geschäftsführung betraute. Bei der Scheidung hatte Arden ihn entlassen und vertraglich vereinbart, er dürfe fünf Jahre lang nicht in einem anderen Kosmetikunternehmen tätig sein. 1939 war diese Frist abgelaufen, und Lewis ging zu Rubinstein.
Elizabeth Ardens großes Hobby war der Pferderennsport. Als Rennstallbesitzerin trug sie ihren Mädchennamen „Florence N. Graham". Ihr Rennstall galoppierte insgesamt 4711437 US-Dollar zusammen. Selbstbewusst sagte sie einmal über sich: „Es gibt nur eine mir vergleichbare Elizabeth, und das ist die Queen".
Am 18. Oktober 1966 erlag Elizabeth Arden im Alter von 75 Jahren in New York einem Herzanfall. Sie ist knapp anderthalb Jahre nach ihrer Rivalin Helena Rubinstein gestorben und hinterließ keine Kinder. Ihre nächsten Verwandten waren eine Schwester, eine Nichte und ein Neffe. Die Anwaltsfirma, der die Nachlassregelung übertragen wurde, meinte, das Vermögen werde vor Steuerabzug mindestens 50 Millionen US-Dollar erreichen.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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