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Eleonora Duse: Die „Göttliche“ der Theaterbühne

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Zu den gefeiertsten Theaterschauspielerinnen der Welt gehörte die italienische Künstlerin Eleonora Duse (1858–1924). Wegen ihres großen Könnens bezeichnete man sie auch als die „Göttliche". Den Drang zur Bühne hatten vor ihr schon ihre Großeltern und ihre Eltern verspürt, die ihren Lebensunterhalt als wandernde Komödianten bestritten.

Eleonora Duse kam am 3. Oktober 1858 während einer Bahnfahrt in Vigevano (Lombardei/Italien) als Tochter von Alessandro und Angelica Duse zur Welt. Ihr Großvater Luigo Duse war Schauspieler und trat in Padua in einer von ihm errichteten Bretterbude gegenüber dem „Café Pedroocchi" auf. Jeder seiner drei Söhne machte sich später mit einer eigenen Kompagnie selbstständig.

Bereits im Alter von vier Jahren spielte Eleonora Kinderrollen – wie die Cosette von Victor Hugo (1802–1885) auf der Bühne der elterlichen Schauspielertruppe. Als 14-Jährige mimte sie in Verona fast träumend Shakespeares „Julia". Einen Tag nach diesem Auftritt starb ihre Mutter Angelica an Schwindsucht. Mit 14 wurde Eleonora von dem Schriftsteller und Lebemann Martino Cafiero aus Neapel schwanger. Das Kind starb bald nach der Geburt.

1878 verkörperte die zierliche und dunkelhaarige Eleonora Duse am „Florentiner Theater" in Neapel eine Liebhaberin. Dort entdeckte sie der Direktor des Konservatoriums, Lauro Rossi (1810–1885), der sie auf Gastspielreisen präsentierte. Die Duse lehnte schon zu Beginn ihrer Laufbahn Schminke und Maske ab und vertraute nur ihrem sehr ausdrucksfähigen Gesicht mit den großen dunklen Augen.

1881 heiratete Eleonora Duse ihren Partner, den Schauspieler Tebaldo Marchetti (1844–1918), genannt Checchi. Am 7. Januar 1882 gebar sie ihm die Tochter Enrichetta. Die erste Ehe wurde nach kurzer Dauer geschieden. 1884 erlitt die Duse einen Blutsturz, der ihre Gesundheit erstmals ernsthaft gefährdete. 1885 unternahm sie ihre erste Auslandstournee nach Südamerika, der weitere Gastspiele in Ägypten, Spanien, den USA, England, Österreich und Deutschland folgten.

Eine Zeit lang war Arrigo Boito (1842–1918), der Librettist des italienischen Komponisten Guiseppe Verdi (1813–1901), den sie den „Heiligen" nannte, Eleonora Duses Geliebter. Beide verbrachten in den Pausen zwischen ihren Tourneen und im ehemaligen Kloster „San Guiseppe" bei Ivrea glückliche Stunden.

Zu Weltruhm gelangte Elonora Duse, als die von ihr gegründete Theatertruppe 1891 in Sankt Petersburg (Russland) auftrat. Dabei begeisterte sie die anwesenden Schauspieler Friedrich Mitterwurzer (1844–1897) und Josef Kainz (1858–1910) sowie den Schriftsteller Hermann Bahr (1863–1934). Letzterer schickte in der gleichen Nacht eine Lobeshymne an die „Frankfurter Zeitung" und empfahl einem österreichischen Theateragenten, sie nach Wien zu engagieren.

In der österreichischen Hauptstadt spielte Eleonora Duse 1892 mit Riesenerfolg die „Kameliendame". 1893 wurde sie auf derselben Bühne 29 Mal triumphal gefeiert.

Ab 1895 war die Duse mit dem wortgewaltigen italienischen Dichter Gabriele d’Annunzio (1863–1938) liiert. Sie spielte zwischen 1897 und 1902 nur seine Werke und opferte ihm einen großen Teil ihres Vermögens. Er war nicht treu, bat sie ständig um Geld, verriet in seinem Werk „Il Fuoco" („Das Feuer") intime Details ihrer Beziehung und übergab seine Tragödie „La città morta" ihrer französischen Rivalin Sarah Bernhardt (1844–1923). 1903 verließ ihn Eleonora Duse.

1897 gastierte Eleonora Duse auf Einladung Sarah Bernhardts an deren „Renaissance-Theater" in Paris. Mit 50 Jahren zog sie sich 1909 von der Bühne zurück, trat aber 1921 als 62-Jährige in New York wieder auf. Dort begrüßten sie Schiffssirenen, ruhte der Straßenverkehr der Millionenstadt und geleiteten berittene Polizisten sie wie eine Königin in ihr Hotel.

Der einzige Film, in dem die Duse mitwirkte, war der Streifen „Cenere" (1916). Er basiert auf dem Roman „Asche" der italienischen Schriftstellerin Grazia Deledda (1871–1936).

Eleonora Duse starb während einer Gastspielreise am 21. April 1924 im Alter von 65 Jahren in Pittsburgh (Pennsylvania). Ihr Sarg reiste auf dem Schiff „Duilio" in die Heimat. Als das Schiff Gibraltar passierte, flaggten alle Kriegsschiffe halbmast. In ihrer Heimat säumten Tausende ihrer Landsleute schweigend ihren letzten Weg. Eleonora wurde auf dem Friedhof von Asolo, wo sie ein Haus erworben hatte, beerdigt.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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