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Eleanor Dulles: Die „Mutter von Berlin“

Kategorie: Politik
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Einen Ehrenplatz in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands nimmt die amerikanische Diplomatin, Wirtschaftsexpertin und Publizistin Eleanor Dulles (1895–1996) ein. Sie verdankt ihrem Engagement zugunsten des Wiederaufbaus von Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg, für den sie insgesamt eine Milliarde US-Dollar sammelte, den Ehrentitel „Mutter von Berlin". Dieser Beiname geriet allerdings später fast in Vergessenheit.

Eleanor Dulles kam am 1. Juni 1895 in Watertown im US-Bundesstaat New York zur Welt. Sie war die Tochter des presbyterianischen Geistlichen Allen Dulles und seiner Frau Edith sowie die Schwester des späteren amerikanischen Außenministers John Foster Dulles (1888–1959) und des langjährigen CIA-Chefs Allen Welsh Dulles (1893–1969).

Eleanor begann ihr Studium am „Bryn Mawr College" und erhielt mehrere Stipendien. 1921 und 1922 studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der „Londoner School of Economics" in Großbritannien und danach am „Radcliff College" in Boston (USA), wo sie 1924 einen zweiten Master-Grad erwarb. 1926 promovierte sie an der Harvard University und von 1925 bis 1927 studierte sie an der „Faculté de Droit" der Pariser Universität.

Zugunsten beruflicher Tätigkeiten, vor allem in der öffentlichen Fürsorge und in der Wiederaufbauarbeit nach dem Ersten Weltkrieg, unterbrach Eleanor Dulles ihre Ausbildung ab 1917 mehrfach. Von 1917 bis 1919 arbeitete sie im „American Friends Service", 1920/1921 als stellvertretende Personalleiterin einer Firma in Bridgeport (Connecticut) sowie 1924/1925 und 1927/1928 als Lehrerin am „Simons College" in Boston.

Außerdem war Eleanor Dulles mit wissenschaftlichen Arbeiten an der Harvard University und am „Radcliff College" betraut. Hierfür ging sie 1925 bis 1927 nach Frankreich und 1930 bis 1932 in die Schweiz. Damals besuchte sie erstmals Deutschland, dem fortan ihr besonderes Interesse galt. Ihre ersten wissenschaftlichen Publikationen über den französischen Franc (1928) und über die Arbeitsweise der „Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich" (1932) wurden in der Fachwelt stark beachtet.

Von 1928 bis 1930 lehrte Eleanor Dulles am „Bryn Mawr College" und von 1932 bis 1936 an der Universität von Pennsylvania. 1932 heiratete sie den Philosophen David Blondheim, der 1934 Selbstmord beging. Aus der Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter.

Ab 1936 wirkte Eleanor Dulles sechs Jahre lang in der Finanzabteilung des „Amtes für Soziale Sicherheit" in Washington und danach ab 1942 als Angestellte des „State Department" (Außenministerium), wo sie bis 1945 in der Wirtschaftsabteilung tätig war. 1944 gehörte sie zur amerikanischen Delegation bei der Konferenz von Bretton Woods über den „Internationalen Währungsfonds".

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie bis 1949 als Finanzattaché an der Wiener Botschaft am Wiederaufbau Österreichs im Rahmen des Marshallplans mit. Von 1949 bis 1951 diente sie in der „Western European Division" des State Department, 1951/1952 in der nationalen Produktionsbehörde des Handelsministeriums.

Zwischen 1952 und 1959 war Eleanor Dulles als Special Assistent in der Abteilung für Deutschlandfragen vor allem mit dem weiteren Schicksal Berlins befasst. Im Mai 1955 wurde die von ihr angeregte Benjamin-Franklin-Stiftung gegründet. Auf ihre Initiative entstanden das Klinikum Steglitz (1994 umbenannt in „Universitätsklinikum Benjamin Franklin"), die Kongresshalle und andere Bauten in Berlin. Obwohl man sie im September 1959 in die Forschungsabteilung des Außenministeriums versetzte, nahm sie weiterhin ihre Aufgabe in der Deutschlandabteilung bis 1962 wahr und förderte soziale Einrichtungen. Sie ging in die Nachkriegsgeschichte als „Mutter von Berlin" ein.

Der amerikanische Präsident Dwight David Eisenhower (1890–1969) zeichnete Eleanor Dulles im Januar 1960 mit dem Titel einer persönlichen Gesandten des Präsidenten aus. Im Januar 1962 ging sie nach 20-jähriger Dienstzeit im amerikanischen Außenministerium in den Ruhestand. Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt (1913–1992) dankte ihr am Tag ihres Ausscheidens telegrafisch für alles, was sie für Berlin getan hatte.

Nach ihrer Pensionierung widmete sich Eleanor Dulles verschiedenen Hochschulaufgaben, beriet das „State Department" und verfasste mehr als ein Dutzend Bücher über die amerikanische Außenpolitik, ihren Bruder John Forster und sich selbst („Eleanor Lansing Dulles – Chances of a Lifetime, a Memoir", 1980). Sie erhielt viele Auszeichnungen – darunter das „Große Bundesverdienstkreuz" (1962), die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin (1957) und den Titel „Professor ehrenhalber" der Stadt Berlin (1985).

Während der letzten Lebensjahre wohnte Eleanor Dulles in einem Altersheim der US-Armee in Washington. Am 26. Juni 1996 wurde sie anlässlich des zweiten Jahrestages der Umbenennung des Klinikums Steglitz als erste Preisträgerin mit der Benjamin-Franklin-Medaille ausgezeichnet. Stellvertretend für sie nahm Joel J. Levy, der Leiter der Berliner Außenstelle der US-Botschaft, die Auszeichnung entgegen. Am 30. Oktober 1996 starb Eleanor Dulles im biblischen Alter von 101 Jahren im Altersheim.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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