Einziger EM-Profiteur ist die Uefa selbstKategorie: Politik Artikel veröffentlicht von: Stephan Oehen
Aus der Sicht der österreichischen und der Schweizer Wirtschaft fällt das EM-Fazit negativ aus. Rein ökonomisch gesehen bringt die Uefa Euro 2008 unter einer vernünftigen Kosten-Nutzen-Rechnung weder der Schweiz noch Österreich Zusatznutzen. Der Aufwand für die öffentliche Hand sowohl auf Stufe Bund wie auch Stufe Städte war enorm. Einziger Profiteur ist die Uefa selbst. Ein Lichtblick bleibt: Noch nie waren die Gemeinsamkeiten zwischen der Schweiz und Österreich so sichtbar, wie während der Europameisterschaften. Wir sind Nachbarn, die sich noch besser kennenlernen sollten. Wirtschaftlich, kulturell, aber auch als Verbündete im internationalen Wettbewerb.
Allein durch Sponsoren erzielte der Fussballverband insgesamt rund EUR 370 Mio. Einnahmen. Der Reingewinn dürfte sich aus dem Turnier insgesamt auf über EUR 250 Mio. belaufen, wie der Euro-2008-Chef Martin Kallen heute bestätigte. Schwa¬cher Trost für die Schweiz als Standort der Uefa: Das Unternehmen verfügt über ein weitgreifendes Steuerabkommen.
Bei Kritik droht Uefa mit Wegzug
Während in Österreich und in der Schweiz sich die zuständigen Sicherheitsverant¬wortlichen auf allen Stufen bereits vor Abschluss des Turniers selbst öffentlich auf die Schultern klopften, vermeiden sie tunlichst, die Kosten für Sicherheit und Ord¬nung zu nennen. Es müsste Aufgabe der Parlamente und der Parteien in beiden Ländern sein, entsprechende Fragen zu stellen. Und die sind insbesondere in der Schweiz nicht gewillt, solches zu tun. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Uefa mit dem Drohfinger winkt und mit Wegzug aus der Schweiz droht, wenn zu kritisch de¬battiert würde. Welcher Politiker in der Schweiz, welche Partei, könnte es sich er¬lauben, die Verantwortung für einen Wegzug der Uefa aus dem Land zu überneh¬men? Eine rhetorische Frage.
Versteckte Scham über die Kosten in Österreich?
In Österreich sind solche Debatten heute noch wenig virulent, denn hier überwiegt die Freude am erfolgreichen Turnier. Zu lange war das Land abgeschnitten von solchen Grossereignissen. Vielleicht schwingt im überall sichtbaren Stolz, dass Österreich die Euro 2008 so hervorragend gemeistert hat, auch eine Gewisse Scham mit, wie viel Geld dafür eingesetzt worden ist. Auf jeden Fall gilt die österreichische Politik nicht als diejenige in Europa, in der am meisten Transparenz hergestellt wird. Und sollte das Fragen doch einsetzen und Antworten über die tatsächlichen Kosten in Österreich geliefert werden, würde sich das Land erneut positiv abheben – auch von der Schweiz.
Veröffentlicht von: Stephan Oehen Web: http://www.oehen.ch Kontakt: e-mail
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