Ein weiteres Zeichen gegen Missbrauch von Kindern gesetzt:Kategorie: Pressemitteilungen Artikel veröffentlicht von: Anatol Tulga
Ein kleines x vor großem Kulturerbe
(Völklingen) Sie reisen quer durch die Republik, um Zeichen gegen Missbrauch von Kindern zu setzen. Jetzt sind die Familienväter von serie-x.de auch in Völklingen (Saarland) angekommen. Das Dach der 1986 still gelegten Eisenhütte war am Donnerstag, 7. August, Schauplatz des neuesten Motivs eines einzigartigen Kalenderprojekts. Im kommenden Jahr soll das Ergebnis auf dem Markt sein: die Reinerlöse aus dem Kalenderverkauf kommen zu hundert Prozent ausnahmslos Organisationen zu Gute, die sich um missbrauchte Kinder kümmern.
Von Jörg Bächle
Gefährlich sei es nicht, jedoch solle man seine Schritte mit Bedacht wählen, riet der Mitarbeiter der Völklinger Eisenhütte beim geführten Gang aufs Dach inmitten einer Industrieruine, die in ihrer Art einzigartig ist. Das bedeutsamste vollständig erhaltene Eisenwerk in der Welt aus dem 19. und 20. Jahrhundert wurde 1994 als erste Anlage aus der Blütezeit der Hochindustrialisierung Weltkulturerbe der UNESCO und ist Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur. Schritt für Schritt wagte sich das Produktionsteam über einen fürs Publikum nicht zugänglichen Teil zum subjektiv besten Standpunkt. Das Motiv für die insgesamt achte Produktion der serie-x hat eine „heiße" Geschichte hinter sich, war zu besten Zeiten Arbeitplatz von über 17.000 Menschen und weckte seit der Eröffnung im Jahr 2000 die Neugierde von mehr als einer Million Besuchern. Herzstück und plakativer Werbeaufhänger des Hüttenparks sind dabei die Hochöfen und Winderhitzer, die auch das Motiv des aktuellen Kalenderblatts der Serie-X dominieren. Vom Dach der Sinteranlage, in der einst Eisenerz-Sinter für den Einsatz in die Hochöfen produziert wurde, wagte Fotograf Wilfried Adam den Gang über ein 100 Jahre altes Holzdach. Der Standpunkt ist ein wichtiges Element bei den Produktionen. Hier kann Adam mit einem selbst entwickelten 12-Meter Stativ, auf das die Kamera geschraubt wird, eine für Menschenaugen ungewohnte Sichtweise erzeugen. Bei der Produktion in Völklingen war dieses Stativ erstmals nicht im Einsatz, da der Fotografenstandpunkt in knapp 30 Metern Höhe bereits für schwindelerregende Momente sorgte.
Model Uwe, dreifacher Vater, setzte auf einem gegenüberliegenden Dach sein Zeichen. Gefährlich war es nicht, doch eine gehörige Portion Mut gehörte trotzdem dazu. Das galt bei der achten Produktion sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne. Mutig sind sie alle, die beteiligten Models und Mitstreiter, denn mit ihrem Projekt betreten sie Neuland. Bisher kannte man Männer im Zusammenhang mit Missbrauch - meist - nur als Täter. Das hier Familienväter Zeichen setzen wollen gegen den Missbrauch von Kindern, verlangt nicht nur vor Ort nach Erklärung. Alles zum Projekt Serie-X gibt es übrigens ausführlich und detailliert auf der Homepage unter serie-x.de. Dort können auch die Ergebnisse der bisherigen Produktionen samt ihrer Entstehungsgeschichte begutachtet werden. Beim Überblick kann der Kunstinteressierte nachvollziehen, wie die Väter Zeichen setzen, als kleines bestimmtes X - nackt und auf dem Bauch liegend - um damit Teil eines meisterhaft inszenierten Fotos zu werden.
Dieser „nackte" Reizpunkt ist gewollt und wird vom Iniatiator des Projektes, Bernd Köhle, so erklärt: „Wir bestimmen selbst über unsere Körper und was damit gemacht wird, das muss auch für Kinder gelten. Bei sexuell missbrauchten Kindern wurde diese Selbstbestimmung, mit welchen Mitteln auch immer, außer Kraft gesetzt", sagt Bernd Köhle. „Natürlich ist es mit dieser sanften Provokation auch einfacher auf das Thema Kindesmissbrauch aufmerksam zu machen - ein Kalender mit Edelweiss-Bildchen wird wohl niemanden interessieren", so Köhle weiter. „Die jüngsten Fälle aus Österreich füllen ganze Seiten im Blätterwald und sie zeigen wie aktuell das Thema ist. Wir dagegen wollen nur eins: Indirekt den Opfern helfen. Wir sind alle Familienväter mit glücklichen Kindern. Aber in dieser Welt gibt es viel zu viele Fälle, wo Kinder Opfer werden und dringend Unterstützung brauchen." Köhle schneidet damit ein Thema an, das wohl noch immer eines mit dem Prädikat „Tabu" ist. „Bisher brachte man Männer im Zusammenhang mit Kindesmissbrauch nur als Täter in Verbindung".
Die Väter der Serie-x beweisen anderes. Der Erlös aus dem Verkauf der Kalender, der 2010 druckfrisch von Firmen und Privatpersonen bestellt werden kann, kommt zu 100 Prozent Organisationen und Projekte zu Gute, die missbrauchten Kindern und deren Angehörigen zur Seite stehen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Am Anfang stand die Idee, es folgte die Gründung des Vereins. Seit März ist das Fototeam auf Tour. Die jeweiligen Betreiber der Anlagen oder Naturerlebnisse erteilen gerne die Erlaubnis zu Shooting: so bereits geschehen auf dem Zugspitzplateau, Hockenheimring, Berliner Flughafen Tempelhof, Stadion von Borussia Dortmund oder norddeutschen Wattenmeer – um nur einige zu nennen. Und es werden noch vier weiter folgen – die Planungen laufen auf Hochtouren. Das Ergebnis mutiger Männer wird hoffentlich vielen Kindern helfen können.
Veröffentlicht von: Anatol Tulga Web: http://serie-x.de Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Jörg Bächle ist Schriftführer im Verein Serie-X e.V.
Er arbeitet als Chefredakteur im Teckboten, der Tageszeitung von Kirchheim unter Teck. |
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