Add to My Yahoo!
RSS Feeds
Deutsch
English

Ein Apfel für die Liebe: Im Mittelalter hoffte man auf allerlei Zaubermittel

Kategorie: Sexualität
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


E-Mail Article
Print Article

Wilhelmshaven - Verliebte, die wegen ihres Aussehens nicht erhört wurden, verwendeten einst zahlreiche Zaubermittel, um doch noch zum Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Sie hofften auf die geheimnisvolle Wirkung von Liebesäpfeln, Liebesbissenbroten und Liebestränken. Dies enthüllt das Buch „Der Alltag im Mittelalter" der aus Wilhelmshaven stammenden und heute in Australien lebenden Historikerin Maike Vogt-Lüerssen.

Liebesäpfel pflückte man nur am Freitag vor Sonnenaufgang vom Baum. Es musste die schönste Frucht sein, sie wurde gespalten, entkernt und mit zwei Zetteln gefüllt, die mit drei eigenen Haaren und drei der geliebten Person zusammengebunden wurden. Auf einen der Zettel schrieb man mit seinem Blut seinen Namen und darunter den der Angebeteten, auf den anderen ein Zauberwort. Die Apfelhälften verband man mit einem Spießchen aus Myrthenholz, trocknete sie im Ofen, wickelte sie mit Lorbeer- und Myrthenblättern ein und legte sie unter das Kopfkissen der oder des Geliebten.

Wer keine Äpfel, Birnen oder anderes Obst zur Verfügung hatte, konnte ersatzweise Achselhaare und ein Stück Brot oder ein Brötchen verwenden. Auch die Asche eines verschwitzten seidenen Halstuches, in Speisen und Getränke gegeben, sollte die Liebe fördern.

Als Liebeszaubermittel galten auch so genannte Liebesbissen-brote. Diese hat man aus Mehl von Weizenkörnern gebacken, auf denen sich Frauen nackt gewälzt hatten.

Männer, die Frauenherzen erobern wollten, tranken Frauenmilch junger Mütter oder trugen Schwalbenherzen bei sich. Liebesbedürftige Ehemänner mischten ihren Gattinnen heimlich zu Pulver gemahlene Taubenherzen ins Essen.

Manche Liebestränke förderten aber nicht zarte Gefühle, sondern erzeugten starke gesundheitliche Beschwerden. Das war beispielsweise bei einem Trunk aus Nachtschatten, Safran, Myrrhe und Bilsenkraut der Fall. Denn Bilsenkraut und die meisten Nachtschattengewächse sind hochgiftig.

Damit die Liebe so richtig „glühte", verzehrten „Herren der Schöpfung" Potenzsteigerungsmittel. Auf pflanzlicher Basis wurden Löwenmaul, eingemachter Ingwer, Tulpenzwiebeln, gewöhnliche Zwiebeln, Kichererbsen, Anis, Lauch, Fenchel, Distel, Rüben, Möhren, Safran, Pfeffer und Hauswurz empfohlen. Zu den Potenzsteigerungsmitteln auf tierischer Basis zählten Sperlingsbraten sowie gebratene Hoden von Hähnen, Haselhühnern, Hirschen und Wölfen.


Veröffentlicht von: Ernst Probst
Web: http://www.antiquitaeten-shop.net
Kontakt: e-mail


Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
Dieser Artikel darf von Dritten für die Inhalte von Newslettern oder Websitecontent verwendet werden. Voraussetzung für eine Veröffentlichung durch Dritte ist, die jeweilige Autoreninfo aus 'Über den Autor', unter jedem Artikel vorhanden, unverändert mit zu veröffentlichen. Ein Verstoß gegen diese Regel, verstößt gegen die Copyright-Bestimmung. Es wäre ebenfalls von Vorteil den Verfasser des Artikels per e-Mail zu informieren, wo sein Artikel veröffentlicht wurde.


Weitere Artikel von Ernst Probst: