DIE ENTSTEHUNG DER GARTENSTADT HELLERAU IN DRESDENKategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Michael Brey
Auf einer Stadtführung in Dresden wird deutlich, daß die Entstehung der Gartenstadt Hellerau der wichtigste Beitrag Dresdens zur Kultur im deutschsprachigen Raum im zwanzigsten Jahrhundert war.
Der Brite Ebenezer Howard hatte 1898 in seinem Werk „Garden Cities of Tomorow" die Gartenstadt als Stadttypus mit sozialreformerischer Zielsetzung konzipiert. Die in der Nähe von übervölkerten Großstädten geplanten Gartenstädte sollten jeweils eine autonome städtische Struktur aufweisen und vor allem stark durchgrünt sein. Howard sah seine Gartenstadtidee als Lösungsweg das Wachstum der übervölkerten englischen Städte zu reduzieren.
In Deutschland hatte sich schon zwei Jahre vor der Entstehung von Howards "Garden-City of Tomorrow" Theodor Fritsch mit dem Thema der Gartenstadt beschäftigt. Fritzsch sah wie Howard auch radial verlaufende Zonen für die Bebauung vor, die – anders als bei Howard - durch Ringstraßen zu trennen seien. In den sieben Zonen der Bebauung spiegelt sich gleichsam die gesellschaftliche Hierarchie der Zeit wieder. Als Mittelpunkt plante Fritsch "monumentale öffentliche Gebäude", dann sollten in Zone 2 "Villen monumentalen Charakters folgen". Danach folgen: "Bessere Wohnhäuser" (Zone 3), Wohn- und Geschäftshäuser (Zone 4), Arbeiterwohnungen und kleine Werkstätten (Zone 5), Fabriken, Bauhöfe, Lagerplätze (Zone 6), Gärtnereien und Mietgärten (Zone 6). Für die Arbeiter hatte er noch keine eigenen Wohnquartiere vorgesehen. Sein 1896 erschienenes Buch "Die Stadt der Zukunft" wurde in Deutschland nur wenig beachtet. Anders als Howard hatte Fischer auch völkische Gesichtspunkte im Blick, wenn er "im Ackerbau und dem Landleben die eigentliche Quelle der nationalen Kraft und Gesundheit erblickt".
1902 wurde bereits eine deutsche Gartenstadtgesellschaft gegründet, wobei die deutsche Gartenstadtbewegung vor allem von den Ideen des Engländers Howard beeinflußt worden ist.
Zwischen 1908 bis 1913 entstanden im Norden Dresdens die Grundzüge der Gartenstadt Hellerau. Ganz anders als die Vision von Fritsch suchten die geistigen Väter der Gartenstadt Hellerau entsprechend dem englischen Vorbild eine echte Reform und Erneuerung der Gesellschaft.
Die Initiative zur Hellerau ging vom Unternehmer Karl Schmidt aus, der 1908 die "Gartenstadt-Gesellschaft GmbH" gegründet hatte und seine Möbelfabrik "Deutsche Werkstätten" bis 1910 vom Dresdner Vorort Laubegast zur Hellerau verlagert hatte.
Als wesentlicher Ideengeber für die Entstehung der Gartenstadt trat neben Schmidt der erste Geschäftsführer des Deutschen Werkbundes, Wolf Dohrn auf. Gemeinsam mit Schmidt gewannen Sie wichtige Architekten wie Richard Riemerschmid, Heinrich Muthesius und Heinrich Tessenow.
Der Münchner Architekt Richard Riemerschmid entwarf den grundlegenden Bebauungsplan der Gartenstadt. Die Straßen folgen dem aus dem Gartenbau seit dem achtzehnten Jahrhundert als "line of beauty" (= Schönheitslinie) bekannten Verlauf. Drei räumliche Schwerpunkte waren bei der Anlage vorgesehen: die Deutschen Werkstätten Hellerau, das Festspielhaus und der Marktplatz. Daneben sollte in die hügelige Landschaft ein Kleinhausviertel und ein Landhausviertel eingegliedert werden.
Die aus sieben Persönlichkeiten bestehende "Bau- und Kunstkommission Hellerau" sollte als Körperschaft die Entstehung der Gartenstadt begleiten. Darunter war auch der in Schweinfurt geborene Architekt und Lehrer Riemerschmids, Theodor Fischer. In 345 Häusern wohnten im Jahr 1913 etwa 400 Familien. Die Mehrzahl der Häuser waren dabei Kleinwohnhäuser.
Die Häuser wurden dabei alle von einer Genossenschaft verwaltet. Etwa zeitgleich mit der Entstehung der Hellerau wurde die Margarethenhöhe (1906-38) in Essen gebaut. Diese entstand allerdings als Stiftung von Margarethe Krupp und wurde deshalb nicht genossenschaftlich verwaltet. Bis heute wird die aus 935 Gebäuden und 3092 Wohneinheiten bestehende Siedlung von der "Margarete Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge" geführt.
Veröffentlicht von: Michael Brey Kontakt: e-mail
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