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Dalida: Die „Königin der Juke-Box“

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Eine der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Europas war die Künstlerin Dalida (1933–1987), die eigentlich Yolanda Christina Gigliotti hieß. Insgesamt sollen von ihr weltweit schätzungsweise 40 bis 60 Millionen Schallplatten verkauft worden sein. Für ihre zahlreichen Hits erhielt sie „Goldene Schallplatten", Platinplatten und sogar eine „Diamantene Schallplatte". In ihrem Leben wechselten sich glanzvolle Erfolge mit privaten Tragödien ab.

Die Eltern von Yolanda Christina Gigliotti waren Nachfahren kalabrischer Einwanderer und sind in Ägypten zur Welt gekommen. Yolanda Christina wurde am 17. Januar 1933 in Kairo geboren. Ihr Vater Pietro Gigliotti musizierte als Konzertgeiger an der Oper der ägyptischen Hauptstadt. Während des Zweiten Weltkrieges internierten die Engländer ihren Vater wegen seiner italienischen Nationalität.

Yolanda Christina wuchs in Kairo auf, ging dort zur Schule und hatte zwei Brüder namens Bruno und Orlando. Während ihrer Kindheit musste sie zwei Augenoperationen ertragen. Als kleines Mädchen fand sie sich hässlich. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1945 verdiente die Mutter als Näherin ihren Lebensunterhalt. Yolanda Christinas Liebe zur Schauspielerei zeigte sich bereits bei Aufführungen in der Schule.

Durch ihren Onkel Eugenio, der in Kairo als Filmvorführer arbeitete, begeisterte sich Yolanda Christina Gigliotti für den Film. Zwischen 1951 und 1954 arbeitete sie als Sekretärin bei einer Export-Import-Firma.

1954 nahm die 21-jährige Yolanda Christina Gigliotti spaßeshalber an einem Schönheitswettbewerb teil und wurde zu ihrer großen Überraschung als „Miss Ägypten" gewählt. Hinterher vertraute sie Freunden an, sie hätte sich eigentlich wenig Chancen ausgerechnet, weil sie keine grünen Augen habe. 1954 wirkte sie in den Filmen „Joseph et ses frères", „The Mask of Toutankhamon" und „A Drink and a Cigarette" mit.

Allein und ohne Geld flog Yolanda Christina Gigliotti am 25. Dezember 1954 nach Paris, wo sie zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee erblickte. In der französischen Hauptstadt hetzte sie von einem Vorstellungsgespräch zum anderen, konnte aber in der Filmbranche nicht richtig Fuß fassen. 1955 spielte sie in zwei trivialen Krimis mit, die sie schnell vergessen wollte.

Dalidas Laufbahn als Sängerin begann 1956, als sie sich an einem Chanson-Nachwuchswettbewerb in der Pariser Music-Hall „Olympia" beteiligte. Dabei fiel sie dem Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, dem Plattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des Senders „Europe 1", Lucien Morisse (1929–1970), auf. Coquatrix lobte sie: „Ihre wandlungsfähige Stimme hat alles, was Männer mögen: Zärtlichkeit, Sinnlichkeit, Erotik."

Bereits die erste Schallplatte „Bambino" (1956) von Dalida entwickelte sich zum Superhit und brachte ihr die erste „Goldene Schallplatte" ein. Fortan erschien ihr Name häufig in den internationalen Hitparaden. 1958 wählte man Dalida zur „Sängerin des Jahres" und zeichnete sie zusammen mit dem Franzosen Yves Montand mit dem „Music Hall Bravo" aus.

Weitere „Goldene Schallplatten" heimste Dalida 1959 mit „Ciao Ciao Bambina", „Guitar et Tambourine" und „Am Tag als der Regen kam" ein. Mit dem Schlechtwetterlied erreichte sie Platz 1 der Hitparade und behauptete sich ein halbes Jahr lang unter den zehn erfolgreichsten Schlagern. Damals galt sie als „Königin der Jukebox". Allein 1960 verdiente sie sich fünf „Goldene Schallplatten" mit „Romantica", „Je t’aime follement", „Les enfants des Pireé", „Itsi-Bitsi-Teeni" und „Milord".

Am 18. April 1961 heiratete die „Schlagerkönigin" Dalida auf dem Standesamt des XVI. Arrondissements in Paris ihren Entdecker Lucien Morisse. Die Ehe mit dem schüchternen und scheuen Mann scheiterte schon einige Monate später: Die 28-jährige Dalida verliebte sich in den vier Jahre jüngeren polnischen Maler Jean Sobieski und zog mit ihm zusammen.

Künstlerisch war auch 1961 für Dalida ein erfolgreiches Jahr. Damals überreichte man ihr „Goldene Schallplatten" für „Last Waltz", „Papa achet mor un jukebox" und „Garde moi la derniere". Im Dezember 1961 bezog Dalida auf dem Montmartre in Paris ein Märchenschloss. Nach dem Bruch mit Jean Sobieski begann für sie eine Zeit der Trauer.

1964 begleitete Dalida für den Rundfunksender „Europe 1" die „Tour de France". Jeden Abend trat sie nach dem Rennen auf der Bühne auf. Sie fuhr durch ganz Frankreich und sang fast 3000 Lieder. Im September 1964 nahm Dalida für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegen. 1967 ehrte man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem „Oscar Canzonissima".

Tragisch endete die Teilnahme von Dalida und ihrem Freund, dem italienischen Komponisten und Sänger Luigi Tenco (1940–1967), am Festival in San Remo. Am 25. Januar 1967 sangen erst Tenco und dann Dalida das Chanson „Ciao amore, ciao". Vom Lampenfieber gelähmt, versagte ihm die Stimme, Dalida dagegen wurde bejubelt.

Als die Jury um 1 Uhr morgens entschied, dass beide Künstler nicht am Finale teilnehmen durften, schrieb Tenco im Hotel „Savoy" einen Abschiedsbrief, in dem er die kommerzielle Entscheidung der Jura anprangerte, und tötete sich durch einen Schuss in den Kopf. Dalida, die ihren Geliebten tot aufgefunden hatte, musste von zwei Männern vom Leichnam getrennt werden.

Nach dieser Tragödie war Dalida innerlich wie tot und plante heimlich, Tenco, den sie im April 1967 heiraten hatte wollen, in den Tod zu folgen.

Die von Depressionen geplagte Dalida schrieb ihr Testament, gab ihrer Mutter Geld, stieg in dem Hotel ab, in dem sie mit Tenco die Zeit ihrer Liebe verbracht hatte, und versuchte vergeblich, sich mit einer Überdosis Schlaftabletten zu vergiften. Nach fünf Tagen wachte sie wieder aus dem Koma auf.

Dalida überwand die damalige Krise mit Hilfe der Psychoanalyse. „Wer sich selbst nicht versteht, versteht auch die anderen nicht", sagte sie. Der Schriftsteller Arnaud Desjardins, der sein Leben fernöstlichen Religionen gewidmet hatte, wurde ihr neuer Freund. Sie begleitete ihn nach Indien und reiste drei Jahre lang alleine dorthin, um sich in die Obhut eines geistlichen Führers zu begeben.

1968 überreichte man Dalida für ihre Verdienste um das französische Chanson die Medaille des Präsidenten Charles de Gaulle (1890–1970). Das „Maison des Intellectuels" erhob sie zum „Commandeur des Arts, Sciences et Lettres" und verlieh ihr das „Ehrenkreuz von Vermeil". Außerdem nahm sie für „Les temps des fleurs", „Gigi" und „J’attendrai" weitere „Goldene Schallplatten" entgegen.

Nach etwa 15-jähriger Zusammenarbeit mit der Firma „Barclay" übernahm Dalida 1970 selbst die Produktion ihrer Schallplatten und stellte ihren älteren Bruder Orlando Gigliotti als Produzent und Manager ein. Im September jenes Jahres beging ihr früherer Mann Lucien Morisse mit 41 Jahren Selbstmord.

Im November 1971 hörte man Dalida nach vierjähriger Pause mit einem neuen Repertoire wieder im „Olympia" in Paris. Da man nicht an ihr Comeback glaubte, musste sie selbst die Saalmiete tragen. Doch ihr Auftritt in einem strahlend weißen Kleid wurde ein Riesenerfolg.

1973 wurde der Maler und Sänger Richard Chamsray (1940–1983) der neue Lebensgefährte von Dalida. Mit ihm lebte sie auf der Mittelmeerinsel Korsika. 1974 tauchte sie mit „Gigi l’amoroso" („Gigi der Geliebte") und „Il venait d’avoir 18 ans" („Er war gerade 18 Jahr") erneut an der Spitze der Hitparade auf. 1974 bekam sie zum zweiten Mal den „World Oscar for the Hit-Record of the Year". „Gigi l’amoroso" wurde 1975 mit einer Platinplatte belohnt.

1977 trat Dalida zum ersten Mal in der berühmten New Yorker „Carnegie-Hall" auf. Im selben Jahr feierte sie auch ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum im Pariser „Olympia". Mit 45 Jahren wandte sie sich der Show zu. 1978 sah man sie in dem Film „Disco Superstar". Mit dem Lied „Monday, Tuesday" war sie 1979 auch in der Disco-Welle erfolgreich.

1980 gastierte Dalida als Revue-Star im Pariser „Palais des Sports" und wirkte in dem Film „Killer stellen sich nicht vor" mit. Im selben Jahr überreichte man ihr anlässlich ihres 25-jährigen Künstlerjubiläums die seltene „Diamantene Schallplatte". Mit 48 Jahren nahm sie Tanzunterricht. An der Schwelle zu ihrem 50. Geburtstag überfiel sie eine große Müdigkeit. Bis dahin hatte sie bereits Arbeit für ein ganzes Jahrhundert geleistet. Im Juli 1983 erfuhr Dalida vom Selbstmord ihres früheren Lebensgefährten Richard Chamsray.

Während der letzten Jahre ihres Lebens sah man den Namen von Dalida nicht mehr in den internationalen Hitparaden. 1986 feierte man sie stürmisch bei der Uraufführung des Films „Le 6eme jour" („Der sechste Tag") in ihrer Geburtsstadt Kairo. In dem Streifen spielte sie die Hauptrolle und sang das Titellied.

Am Sonntag, dem 3. Mai 1987, gegen 18 Uhr wurde Dalida in ihrem Pariser Haus auf dem Montmarte von einer Hausangestellten tot aufgefunden. Die Polizei teilte mit, sie sei an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben. Im Abschiedsbrief der 53-Jährigen stand nur der Satz: „Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir." Mit ihr ging die Epoche der Vinyl-Schallplatte und der großen Varietéshows im Fernsehen zu Ende. Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang bezeichnete ihr Werk als „Hymne an das Leben".

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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