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Cosima Wagner: Die erste Herrin auf dem „Grünen Hügel“

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:

Unsterblich in der Welt der Oper machte sich Cosima Wagner (1837–1930), geborene de Flavigny, als erster weiblicher Leiter der weltberühmten „Bayreuther Festspiele". Die Herrin auf dem „Grünen Hügel" erwarb sich bei der Fortführung der seit 1876 stattfindenden Aufführungen ihres verstorbenen Mannes, des deutschen Komponisten Richard Wagner (1813–1883), im eigens dafür errichteten Festspielhaus große Verdienste.

Cosima de Flavigny kam am 24. Dezember 1837 im „Hotel del’Angelo" in Como (Italien) zur Welt. Sie war die Tochter der französischen Schriftstellerin Marie Gräfin d’Agoult (1805–1876), geborene de Flavigny, sowie des ungarisch-deutschen Klaviervirtuosen und Komponisten Franz Liszt (1811–1886).

Das Mädchen erhielt den Vornamen nach dem Drama „Cosima", das von der französischen Schriftstellerin George Sand (1804–1876), einer Freundin der Mutter, verfasst worden ist. Sein Geburtstag wurde jeweils nicht bereits am 24. Dezember (Heiliger Abend), sondern immer erst einen Tag später am 25. Dezember (erster Weihnachtsfeiertag) gefeiert.

Cosimas Mutter hatte sich 1827 mit dem Grafen Charles d’Agoult (1790–1875) vermählt, diesen jedoch 1834 nach sieben Ehejahren verlassen, um fortan mit Liszt zusammenzuleben. Nach fünfjähriger Liaison trennte sich Liszt 1839 von seiner Geliebten und den gemeinsam gezeugten drei Kindern Blandine (geb. 1835), Cosima (geb. 1837) und Daniel (geb. 1839), die alle bereits im Säuglingsalter einer Amme übergeben wurden.

1844 legitimierte Franz Liszt seine drei unehelich geborenen Kinder und ließ sie zunächst von seiner Mutter in Paris betreuen. Später kamen die beiden Schwestern in die Obhut einer Gouvernante namens Patersi Fossombroni, während ihr Bruder weiter bei seiner Großmutter blieb. Als Kind wollte Cosima entweder Schriftstellerin wie ihre Mutter oder Pianist wie ihr Vater werden. 1853 beobachtete die schüchterne 15-Jährige bei einem Diner ihres Vater in Paris staunend Richard Wagner.

Franz Liszt vertraute 1855 die drei Mädchen der geschiedenen Franziska Elisabeth von Bülow (1806–1888), geborene Stoll, in Berlin an. Deren Sohn, der Musik- und Klavierlehrer Hans von Bülow (1830–1894), war ein Lieblingsschüler von Liszt. Am 19. Oktober 1855 machte Hans von Bülow der 16-jährigen Cosima einen Heiratsantrag und hielt am 20. April 1856 offiziell bei Liszt um ihre Hand an. Liszt sträubte sich anfangs gegen diese Verbindung, doch am 18. August 1857 fand in der Berliner „Sankt Hedwigskirche" die Trauung statt.

Das junge Paar verbrachte im September 1857 seine Flitterwochen in Zürich bei Richard Wagner, der Hans von Bülow eingeladen hatte, weil er dringend einen kundigen Zuhörer für den zweiten Akt von „Siegfried" brauchte. Wagner fiel dabei auf, dass Cosima seltsam aufgewühlt war und ihm gegenüber sehr auf Distanz hielt.

Bei einem weiteren Aufenthalt des Ehepaares in der Schweiz 1858 vertrauten sich Cosima und der Musiker und Dichter Karl Ritter (1830–1891), ein Studienfreund ihres Mannes, bei einer Bootsfahrt auf dem Genfer See das jeweilige Scheitern ihrer Ehe an. Sie bat ihn, sie zu ertränken, ließ jedoch davon ab, als er ihr in den Tod folgen wollte. Beim Abschied fiel Cosima Wagner zu Füßen und bedeckte seine Hände mit Tränen und Küssen. Cosima gebar Hans von Bülow 1860 die Tochter Daniela und 1863 die Tochter Blandine.

Am 28. November 1863 gaben Cosima von Bülow-Liszt und Richard Wagner, der sich 1862 in Dresden von seiner Frau Minna Planer (1809–1866) getrennt hatte, bei einer Kutschenspazierfahrt in Berlin ihre Zurückhaltung auf und wurden ein Liebespaar. 1864 verließ Cosima ihren launenhaften und wenig ehetauglichen Gatten und zog zu Richard Wagner nach Tribschen bei Luzern in die Schweiz. Beide führten fortan eine „wilde Ehe" und zeugten die Töchter Isolde (1865–1919) und Eva (1867–1942).

Die bayerische Zeitung „Volksbote" warf 1866 Richard Wagner Ehebruch mit der Gattin seines Dirigenten Hans von Bülow vor. Durch diese Affäre wurde die Freundschaft zwischen König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) und Richard Wagner getrübt, weil der Herrscher am Münchener Hof keine illegitimen Beziehungen duldete.

1869 ließ sich Cosima von ihrem ersten Mann scheiden. In jenem Jahr kam auch ihr Sohn Siegfried Wagner (1869–1930) zur Welt. Am 25. August 1870, dem 25. Geburtstag von König Ludwig II., heiratete Cosima in der protestantischen Kirche von Luzern ihren Lebensgefährten Richard Wagner. Ihre Liebe war so groß und ihre Ehe verlief so harmonisch, dass beide bis in die Träume von dem Gedanken gequält wurden, einer von ihnen könne früher sterben als der andere.

Am Reformationstag 1872 trat die Katholikin Cosima Wagner zur protestantischen Kirche über. Zwischen 1872 und 1876 erbaute Otto Brückwald auf dem „Grünen Hügel" das Bayreuther Festspielhaus, in dem fortan die Wagner-Festspiele stattfanden. 1873 wurde die Villa „Wahnfried", das Wohnhaus von Richard und Cosima Wagner in Bayreuth, vollendet.

Um seine Gesundheit wiederherzustellen, zog Richard Wagner 1882 nach Venedig, wo er am 13. Februar 1883 im Alter von 69 Jahren im „Palazzo Vendramin" einem Herzleiden erlag. Einen Tag und eine Nacht saß Cosima starr neben seinem Leichnam und sehnte ihr eigenes Ende herbei. Zwei Monate später erkrankte sie schwer und wurde immer schwächer, worauf ihr Vater befürchtete, sie wolle sterben. Doch sie erholte sich wieder.

Von 1883 bis 1907 übernahm Cosima Wagner die künstlerische und kaufmännische Leitung der „Bayreuther Festspiele". Anfangs wollte die Witwe nur dem Werk Richard Wagners dienen, indem sie es bewahrte, doch allmählich durchbrach sie das Ritual der ewigen Wiederholung. Radikal wandte sie sich von der Oper als Stätte purer Vokalisierungskunst ab, wichtig erschienen ihr allein die Handlung und das Drama. Manche Kritiker staunten über die „Wunder ihrer Inszenierungen", andere hielten sie für unmusikalisch, weil sie bereit war, die Musik dem Wort zu opfern.

Am 6. Dezember 1906 erlitt Cosima Wagner auf Schloss Langenburg bei einem Besuch des mit ihr befreundeten Fürsten Ernst zu Hohenlohe (1863–1950) einen Zusammenbruch. Nach einigen Tagen trat sie die Rückreise nach Bayreuth an und übergab, da ihr die Ärzte fortan jede Anstrengung verboten, 1907 die Leitung der Festspiele an ihren Sohn Siegfried. Fortan mied sie das Festspielhaus auf dem „Grünen Hügel".

Cosimas Briefwechsel mit dem britischem Schriftsteller Houston Stewart Chamberlain (1855–1927), der seit 1909 mit ihrer Tochter Eva Wagner verheiratet war, dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844–1900) und anderen berühmten Persönlichkeiten sowie ihre 21 Hefte mit 5000 Seiten umfassenden Tagebücher gelten als kulturgeschichtliche Dokumente. Nicht nur für Nietzsche, der sie glühend verehrte, blieb sie eine unerreichbare Geliebte.

Cosima Wagner starb am 1. April 1930 im Alter von 92 Jahren während des Schlafes im Haus „Wahnfried" in Bayreuth. Sie wurde an der Seite Richard Wagners im Garten der Villa „Wahnfried" in Bayreuth zur letzten Ruhe gebettet.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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