China - Die große Gefahr für die WeltwirtschaftKategorie: Business & Wirtschaft Artikel veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan
China ist IN. Gemeint ist nicht der Chinese um die Ecke, wo Sie immer 18 - 46 und 72 bestellen, sondern der Wirtschaftsstandort. Seit dem Zusammenbruch der New-Economy-Seifenblase in 2000 stürzt sich alles und jeder auf China. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der letzten fünf Jahre betrug dort jeweils rund 10 Prozent. In Europa liegt es bei zwei Prozent. Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Bekommen Sie einen kleinen Einblick über die Schattenseiten des chinesischen Wirtschaftsbooms, seine Auswirkungen auf unsere Welt und was dagegen getan werden könnte.
Der gefräßige Drache
Fragen Sie mal den Unternehmer Eginhard Vietz aus Hannover, was er von China hält. Seine Antwort wird nicht freundlich ausfallen. Wieso? Das mittelständische Unternehmen Vietz hat Niederlassungen in den verschiedensten Ländern auf vier Kontinenten. Aber nirgends hat es so etwas erlebt wie in China. Nach nur zweieinhalb Jahren schließt Vietz seine Niederlassung in China wieder. Was ist passiert? Um eine Niederlassung in China eröffnen zu können, brauchen ausländische Investoren chinesische Joint-Venture-Partner. Diese Partner sind mit mindestens 50 Prozent am gemeinsam gegründeten Unternehmen beteiligt. Das ist gesetzlich dort so vorgeschrieben. Vietz Partner spielte jedoch falsch. Wenige Kilometer entfernt baute der chinesische Partner das vietzsche Werk, in dem Maschinen zum schweißen von Pipelinerohren produziert werden, nach und zog eine eigene Produktion auf. Mit den Konstruktionsplänen und dem Knowhow von Vietz. Aber nicht mit seiner Beteiligung am Unternehmen.
Ein Kunde kopierte sogar ein Gerät von Vietz bis ins kleinste Detail und baute es nach. Internationaler Patentschutz? Keine Spur davon. So ergeht es aber allen Unternehmen, die in China Fuß fassen wollen. Sie werden für den Markteintritt dazu gezwungen, erstens ein Joint-Venture mit einem einheimischen unternehmen einzugehen und zweitens auch noch ihre Forschung und Entwicklung nach China zu verlegen. So musste auch Siemens einen chinesischen Konkurrenten, als Joint-Venture-Partner, aufnehmen und ihm das Siemens-Wissen weitergeben.
Westliche Unternehmen können ihr Wissen kaum schützen. Auch wenn offizielle Stellen dies weismachen wollen. Ein Engagement in China bringt große Risiken mit sich. Man baut praktisch am Untergang seines Unternehmens mit. So warnt auch der Experte für internationales Patentrecht, Karl Pilny: "Wenn Schlüsseltechnologien auf den chinesischen Mitbewerber übergegangen sind, besteht keine Chance mehr, dies aufzuholen. Denn der Mitbewerber wird immer den Kostenvorteil haben."
An diesen Beispielen sehen Sie, das China schon längst nicht nur Markenimitate herstellt. China will die Wirtschaftsmacht der Welt werden. Und so, wie sie die internationalen Spielregeln missachten und Profit um jeden Preis wollen, werden Sie es wohl auch schaffen. Das liegt aber auch an der ...
Dummheit der westlichen Manager
China ist ein riesiger Zug, der Rendite verspricht und den deswegen niemand verpassen will. Deshalb springen die Manager mit blindem Eifer in diesen Markt. "Wenn Du nicht in China mitspielst, dann bist Du auch kein Global-Player. Und wenn Du kein Global-Player bist, dann bist Du nichts." Doch! Klug! Fünf Jahre nach dem Beginn des Booms sehen die Fakten ernüchternd aus. Für einen Euro Umsatzwachstum brauchen chinesische Unternehmen 40 Eurocent Investition. Das ist grottenschlecht. Die chinesische Misswirtschaft verschlingt jährlich Milliarden Euros. China ist nur flüssig, weil der Westen ständig neue Milliarden hineinpumpt. 60 Milliarden pro Jahr. Aber was kommt zurück? Nichts! Wie auch? Woher sollen die versprochenen Super-Renditen denn kommen?
Da muss man sich unweigerlich die Frage stellen, ob die millionen schweren Manager unter Realitäts- oder Wahrnehmungsverlust leiden? Das Durchschnittseinkommen (nicht die Kaufkraft) von Otto Normalchinese beträgt gerade einmal 1.000 Dollar pro Jahr. Ja, Sie haben richtig gelesen pro Jahr, und nicht pro Monat. Wie soll sich da die große Masse, mit der der Markteinstieg ja immer gerechtfertigt wird, Produkte zu westlichen Preisen leisten? Wer soll sich mit einem Jahreseinkommen von 1.000 Dollar denn Autos kaufen, die in der einfachsten Ausführung noch 7 bis 8.000 Dollar kosten? Von den laufenden Unterhaltskosten (Benzin, Wartung, Reparatur, etc.) ganz zu schweigen.
Trotzdem es rund 1,3 Milliarden Chinesen gibt, ist der Automobilmarkt bereits seit 2004 gesättigt. Während die automobile Produktionskapazität im Jahre 2004 rund 7,5 Millionen Einheiten betrug, standen dem nur rund 2,1 Millionen verkaufte Einheiten gegenüber. Erwähnen muss man dabei auch noch, dass die chinesische Regierung, den Banken in 2001 befohlen hatte, im großen Stil, Kredite für den Autokauf, an Privatpersonen, herauszugeben. 2004 drehte die Regierung den Hahn aber schon wieder zu. Inzwischen wurden sage und schreibe 18 Milliarden Dollar an Kredite, für den Autokauf, herausgegeben. Der Haken? 10 Milliarden Dollar gelten derzeit als nicht mehr eintreibbar. Faule Kredite.
2007 soll die automobile Produktionskapazität in China 15 Millionen Einheiten betragen. Wo sollen die abgesetzt werden? In China wohl kaum, oder? Also bleibt nur der Export, richtig? Und das bedroht die Arbeitsplätze in Europa, den USA und Japan, klar? Allein in Europa sind schon 200.000 Arbeitsplätze, durch die Verlagerung nach China, vernichtet worden. Wer soll sich dann aber noch Autos oder andere Konsumgüter leisten können, wenn er keinen Arbeitsplatz mehr hat? Haben die Manager mal daran gedacht? Ein Chinese verdient nur rund 1/50, in Worten: ein fünzigstel, wie ein Deutscher. Dann sollen die Unternehmen, die in China produzieren lassen, doch auch die Preise durch fünfzig teilen. Ein nagelneuer Golf für 400 Euro wäre doch OK, nicht wahr?
Die Manager der Unternehmen haben die Billigkonkurrenz aus China ja selbst produziert. Erst transferieren sie westliche Spitzentechnologie nach China und jetzt wundern sie sich, wenn von dort konkurrenzlos billige Produkte zurückkommen? Ist das die geistige Spitzenleistung, die man von hochbezahlten westlichen Managern erwarten sollte? Wohl kaum, oder? Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben? Haben diese Manager überhaupt kapiert, was für eine Lawine sie da losgetreten haben? Welche Abwärtsspirale für die westliche Welt zu erwarten ist? Immer mehr Arbeitlose durch Arbeitsplatzverlagerung ins Billiglohnland China. Fallende Löhne bei den Arbeitern und Angestellten in der westlichen Welt. Westliche Manager werden durch chinesische ersetzt. Ja, auch die Manager selbst wird es treffen. Kaufkraftverlust überall in der westlichen Welt. Immobilienentwertung aufgrund des Kaufkraftverlustes. Und noch viel mehr. Da helfen nur ...
Gegenmaßnahmen
Aber welche? Hilft es, die Löhne in der westlichen Welt herunter zu schrauben? Nein, denn dadurch würden die Märkte der westlichen Welt zusammenbrechen. Es gäbe dann dort ja keine mittelständischen Abnehmer/Verbraucher mehr. Und arme Menschen nutzen den Unternehmen nicht wirklich.
Können die Preise für Produkte aus China wirklich durch fünfzig geteilt werden? Nein, denn ein Produkt besteht ja nicht nur aus Arbeitskraft, sondern auch aus Rohstoffen. Außerdem braucht man auch noch Werkzeuge, Geräte und Verbrauchsstoffe für die Produktion, und noch einiges mehr.
Kann der in Gang gesetzte Prozeß dadurch aufgehalten werden, dass alle westlichen Unternehmen aus China abziehen? Nein, denn dann machen die chinesischen Joint-Venture-Partner allein weiter. Die Unternehmen müssten dann auch auf einen Schlag Milliarden Dollar an Investitionen abschreiben.
Bringt es etwas, wenn die westliche Welt ihre Märkte abschottet? Nein, denn die Chinesen werden dann den Rest der Welt wirtschaftlich erobern. Dort kann der Westen seine Produkte dann nur noch sehr schwer absetzen, weil sie ja wesentlich teurer wären. Auch so würden viele Arbeitsplätze in den westlichen Industrienationen zerstört werden. Nur eben etwas später. Was bleibt also?
Die einzig wirkungsvolle Gegenmaßnahme, gegen die wirtschaftliche Invasion aus China und der damit einhergehenden Vernichtung von Arbeitsplätzen, nicht nur in den Industriestaaten, scheint auf den ersten Blick etwas merkwürdig. Aber glauben Sie mir, es ist die einzig wirksame.
Die Unternehmen müssen das Lohnniveau in China nach oben treiben. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Löhne in China müssen nach oben getrieben werden. Mindestens um den Faktor 12. Otto Normalchinese darf nicht mehr nur 1.000 Dollar im Jahr, sondern er muss mindestens 1.000 Dollar im Monat verdienen. Das macht einerseits den Standort China als Produktionsstätte für Exportwaren unwirtschaftlicher. Dadurch wird aber das Lohnniveau in der restlichen Welt beibehalten. Die westlichen Märkte brechen dann nicht weg. Durch die Anhebung des gesamten Lohnniveaus in China kann sich dann auch die breite Masse der Chinesen Konsumgüter leisten. Erst so wird der Markt wirklich erschlossen. Der chinesische Markt ist ansonsten für die Unternehmen wertlos, da es dort keine große Kaufkraft gibt. Und daran wird sich solange nichts ändern, wie China ein Billiglohnland bleibt.
Was nutzt es einem Unternehmen, auf einem Markt sein zu dürfen, wenn man dort nichts verkaufen kann, weil die Kaufkraft fehlt? Was nutzt es, in einem Billiglohnland zu produzieren, wenn es in den Märkten, die man damit beliefern will, wegen Arbeitslosigkeit aus Arbeitsplatzverlagerung nach China, niemanden mehr gibt, der sich die Waren leisten kann? Sicherlich wäre es besser gewesen, wenn die Unternehmen nicht zu diesen Bedingungen nach China gegangen wären. Aber was geschehen ist kann man nun einmal nicht rückgängig machen. Also muss man überlegen, wie man das Beste daraus macht. Und das Beste wäre wohl doch, den riesigen chinesischen Markt tatsächlich zu erschließen, gerade auch als Absatzmarkt und nicht nur als billige Produktionsstätte. Einverstanden?
Veröffentlicht von: Dietmar Feigenspan Web: http://www.erfolgreich-und-gluecklich.de Kontakt: e-mail
| Über den Autor: |
| Dietmar Feigenspan ist seit über 20 Jahren als Führungskraft tätig. Im laufe der Zeit hat er ein eigens, sehr wirkungsvolles Führungssystem entwickelt. Es hat dazu geführt, dass seine Mitarbeiter fünf Mal besser als der Bundesdurchschnitt wurden. Auch bei anderen Unternehmen zeigt sein System Wirkung. So hat er dort auch Effektivitätssteigerungen von 17.000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr bewirkt. Sein umfangreiches und wertvolles Wissen gibt Feigenspan nun über Seminare weiter. Mehr erfahren Sie auf seiner Web-Seite: www.erfolgreich-und-gluecklich.de |
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