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Bernadette Soubirous: Die „Seherin von Lourdes“

Kategorie: Religion
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Leseprobe aus dem Taschenbuch „Superfrauen 2 – Religion" von Ernst Probst:

Mit dem Ehrentitel „Seherin von Lourdes" ging die heilige Bernadette Soubirous (1844–1879) in die Geschichte der katholischen Kirche ein. Ihr wurde 1858 innerhalb von fünf Monaten die Gnade von 18 Begegnungen mit der Muttergottes zuteil. Dem einfachen Mädchen vom Lande verdankt die bekannteste Marienwallfahrtsstätte der Welt, Lourdes in Südfrankreich nahe der spanischen Grenze, ihren Weltruhm.

Bernadette Soubirous kam am 7. Januar 1844, einem kalten Wintertag, als ältestes von sechs Kindern eines armen Müllers in der heruntergekommenen Boly-Mühle bei Lourdes im Departement Hautes Pyrénées zur Welt. Ihre Eltern hatten oft nicht einmal das Notwendigste zum Leben. Bernadette litt bereits als Kind unter starken Asthmaanfällen und führte ein frommes Leben. Bevor sie ab Jahresanfang 1858 die Schule besuchte, hütete sie Schafe.

Am 11. Februar 1858 erlebte die 14-jährige Bernadette ihre erste Marienerscheinung, als sie mit zwei Geschwistern an den Ufern des Gave bei Lourdes angeschwemmtes Holz sammelte. Dabei blieb Bernadette ein wenig zurück, zog ihre Schuhe und Strümpfe aus, um durch das eiskalte Wasser zu warten, hörte plötzlich ein gewaltiges Rauschen, erschrak deswegen sehr und sah, wie sich vor der nahen „Grotte Massabielle" die Büsche heftig bewegten.

In der Grotte erschien in einer goldschimmernden Wolke eine wunderschöne junge Frau, die ein langes, weißes Gewand mit einem blauen Gürtel und eine gelbe Rose auf jedem Fuß trug und in den Händen einen Rosenkranz hielt. Innerhalb der folgenden fünf Monate erblickte das Mädchen am selben Ort 17 weitere himmlische Erscheinungen.

Die weibliche Gestalt – von Bernadette als „Dame" bezeichnet – gab sich später als „Que soy èra Immaculado Councepciou" („die unbefleckte Empfängnis") zu erkennen. Sie versprach Bernadette, sie im Jenseits glücklich zu machen, verlangte von ihr, für die Sünder beten und forderte, der Pfarrer von Lourdes solle am Ort der Erscheinung eine Kirche errichten lassen, zu der man in Prozessionen Wallfahrten unternehmen solle.

Am 15. Februar 1858 forderte die „Dame", Bernadette solle an die Quelle gehen, daraus trinken und sich darin waschen. Obwohl sie keine Quelle erblickte, kratzte Bernadette in der „Grotte Massabielle" etwas Erde weg, woraufhin an dieser Stelle klares Wasser sprudelte, dessen Strahl immer stärker wurde.

Nachdem ein erblindeter Mann seine Augen mit dem Quellwasser aus der „Grotte Massabielle" benetzte und daraufhin wieder sehen konnte, sorgte die Nachricht von der Heilkraft des Wassers weltweit für Aufsehen. Zahlreiche unheilbar Kranke sollen später an der Quelle auf wundersame Weise gesund geworden sein.

Wegen der Erscheinungen an der „Grotte Massabielle" erlebte Bernadette eine schwere Zeit. Sie wurde von der Polizei vernommen; man erwog, sie ins Irrenhaus zu stecken; Kritiker beschimpften sie „Hysterikerin" und „Angeberin". In die Verleumdungskampagne schalteten sich auch die Presse und sogar der französische Schriftsteller Émile Zola (1840–1902) ein.

Nach der letzten Erscheinung am 16. Juli 1858 führte Bernadette Soubirous wieder ein ganz normales Leben. Sie sprach nie wieder über ihre ungewöhnlichen Erlebnisse. 1862 wurden ihre Marienvisionen – nach vierjähriger strenger Prüfung durch eine bischöfliche Untersuchungskommission – kirchenamtlich bestätigt. Der Bischof von Tarbes bestätigte im Januar jenes Jahres im großen Hirtenbrief ihre Visionen.

Auf Wunsch des Bischofs trat Bernadette Soubirous am 7. Juli 1866 in das Kloster der Kranken- und Schulschwestern von Saint-Gildard in Nevers-sur-Loire (Zentralfrankreich) ein. An ihrem ersten Tag hieß man sie zusammen mit zwei anderen Postulantinnen herzlich willkommen.

Als Schwester trug Bernadette Soubirous den Namen „Marie-Bernard". Sie pflegte aufopferungsvoll Kranke und wurde selbst oft von Schmerzen gepeinigt. Zu ihren Mitschwestern sagte sie, es sei ihre Aufgabe, krank zu sein, was bei diesen auf Unverständnis stieß. Im Kloster schob man die Ablegung ihres Gelübdes immer wieder hinaus, um die „Seherin von Lourdes" vor Hochmut zu bewahren.

Kurz vor ihrem Tod fragte man Schwester Marie-Bernard noch einmal über ihre Marienerscheinungen. Ihre Antwort lautete: „Sehen Sie, meine Geschichte ist ganz einfach: Die Jungfrau hat sich meiner bedient und dann hat man mich in die Ecke gestellt. Dort ist mein Platz, dort bin ich glücklich, und dort bleibe ich".

Am 16. April 1879 starb die unter Atemnot und Herzbeklemmungen leidende Bernadette völlig erschöpft im Alter von nur 35 Jahren in Nevers-sur-Loire. Ihre letzten Worte waren: „Heilige Maria, Muttergottes, bitte für mich arme Sünderin".

Vier Jahrzehnte nach Bernadettes Ableben wurde anlässlich ihrer Seligsprechung am 14. Juni 1925 ihr Grab geöffnet. Dabei fand man ihren Leichnam unverwest vor, während ihr Leichentuch vermodert und ihr Sterbekreuz verrostet war. Heute ruht der unverweste Leichnam von Bernadette in einem kostbaren Glasschrein der Kirche des Klosters Saint-Gildard von Nevers-sur-Loire.

Papst Pius XI. (1857–1939) sprach Bernadette Soubirous am 8. Dezember 1933 heilig. Man gedenkt ihrer jeweils am 16. April (ihr Todestag). Bernadette wird meistens als Bauernmädchen oder als Nonne vor der Grotte oder vor der heiligen Maria kniend und mit dem Rosenkranz in der Hand dargestellt. Im Museum von Lourdes befindet sich das so genannte „blaue Porträt", das Bernadette mit einem blauen Kopftuch zeigt.

Über der „Grotte Massabielle" erhebt sich die bereits erwähnte Basilika, daneben steht die Kirche „Notre Dame du Rosaire". Zu den beiden Gotteshäusern führt von der Brücke über den Gave her die „Esplanade des Processions". Unter den Anlagen wurde 1958 eine dritte unterirdische Pilgerkirche eingeweiht. Nach Lourdes pilgern alljährlich etwa zwei Millionen Menschen, darunter mehr als 25000 Heilung suchende Kranke. Ein ständiges Ärztebüro untersucht die Heilungen, die nach einem Bad in der Quelle auftreten. Die katholische Kirche erkannte zahlreiche Heilungen als Wunder an.

Das Leben der Heiligen wurde in dem Film „The Song of Bernadette" („Das Lied von Bernadette", 1943) dargestellt. Für die Hauptrolle als Bernadette erhielt die amerikanische Schauspielerin Jennifer Jones den „Oscar".

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Der Verlag Ernst Probst wurde 2001 von dem Journalisten, Buchautor, Buchverleger, Fossilien- und Antiquitätenhändler Ernst Probst - www.ernstprobstbiografie.de.vu -
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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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