Angelica Kauffmann: Die Schweizer PorträtmalerinKategorie: Kultur Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst
Leseprobe aus "Superfrauen: 14 Bücher auf einer CD-ROM" von Ernst Probst:
Zu den berühmtesten Porträt- und Historienmalerinnen des 18. Jahrhunderts zählt die aus der Schweiz stammende Künstlerin Angelica Kauffmann (1741–1807). Ihre Porträtkunst wurde von englischen Malern beeinflusst. Bei der Wahl ihrer historischen Motive bevorzugte sie Themen aus der Antike und zeitgenössischen Literatur. Der deutsche Theologe und Dichter Johann Gottfried Herder (1744–1803) lobte sie mit den Worten: „Bei aller demütigen Engelsklarheit und Unschuld ist sie vielleicht die kultivierteste Frau in Europa".
Maria Anna Angelica Catharina Kauffmann kam am 30. Oktober 1741 als einziges Kind des aus Vorarlberg (Österreich) stammenden Malers Joseph Johann Kauffmann (1707–1782) und seiner zweiten Frau Cleopha Luz (1717–1757) in Chur im schweizerischen Kanton Graubünden zur Welt. Von ihrem Vater lernte sie bereits im Kindesalter die Kunst der Malerei. Früh arbeitete das malende „Wunderkind" an Aufträgen des Vaters mit.
Mit neun Jahren schuf Angelica die ersten Porträts in Pastell. In dieser Technik malte sie 1752 ein Porträt des Bischofs von Como, Monsignore Nevrone. Ihr künstlerisches Vorbild war die damalige venezianische Malerin Rosalba Carriera (1675–1757). Mit ihrer musikalischen Begabung und ihrer Stimme hätte Angelica auch als Sängerin eine Karriere machen können, doch für eine entsprechende Ausbildung fehlte vermutlich das Geld.
Nach dem frühen Tod von Angelicas Mutter reisten der Vater und seine Tochter umher, um Aufträge auszuführen. In Schwarzenberg im Bregenzer Wald (Vorarlberg) beispielsweise malten beide gemeinsam die Pfarrkirche aus. Ab 1762 begleitete Angelica ihren Vater auf Reisen durch Italien. Dort studierte und kopierte sie die Werke der alten Meister. Schon 1762 wurde sie Mitglied der Akademie in Florenz und später – 1765 – auch der „Academia di San Luca" in Rom.
1763 kamen Joseph Johann Kauffmann und seine Tochter nach Rom. Dort lernte Angelica den deutschen Archäologen und Kunstgelehrten Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) kennen, der sie mit der Welt der Antike vertraut machte und in die Gesellschaft einführte. Winckelmann gilt mit seinem Hauptwerk „Geschichte der Kunst des Altertums" (1764) als Begründer der Archäologie.
Erheblichen Einfluss auf Angelica Kaufmanns künstlerische Arbeit übte der in Rom arbeitende deutsche Maler Anton Raffael Mengs (1728–1779) aus. Fortan vereinigten ihre Werke sowohl die klassische Gemessenheit als auch die Leichtigkeit der Rokokomalerei. In der italienischen Hauptstadt fertigte Angelica vor allem für reiche Engländer Porträts an. Eine Zeit lang war sie mit dem britischen Maler Nathaniel Dance (1735–1811) verlobt.
Der Empfehlung englischer Freunde folgend, reiste Angelica Kauffmann im Juni 1766 nach London, wohin ihr der Vater bald nachfolgte. In der britischen Hauptstadt gehörte sie bald den besseren Kreisen an und wurde regelrecht mit Aufträgen überhäuft. Die führenden englischen Porträtmaler Thomas Gainsborough (1727–1788) und Sir Joshua Reynolds (1723–1792) beeinflussten sie bei ihren Einzelporträts und Gruppenbildern. Mit Reynolds hatte sie vielleicht eine Affäre.
1767 heiratete Angelica den vermeintlichen schwedischen Grafen Horn, der sich jedoch als geldgieriger Schwindler entpuppte. Ein Jahr später – 1768 – kam es bereits zur Scheidung. Damals genoss sie künstlerisch schon ein so hohes Ansehen, dass sie zu den 36 Gründungsmitgliedern der „Britisch Royal Academy of Arts" gehörte. Vor 1781 entstand ein Selbstbildnis, das im Goethemuseum in Frankfurt am Main aufbewahrt wird.
Im Sommer 1781 ehelichte Angelica Kauffmann – auf Wunsch ihres Vaters – den italienischen Maler Antonio Zucchi (1728–1795). Wenige Tage nach der Trauung verließen das Paar und Joseph Johann Kauffmann bereits London und reisten zur Familie des Bräutigams nach Venedig. Bald nach dem Tod des Vaters, der im Januar 1782 an den Folgen einer Erkältungskrankheit starb, zog das Ehepaar Zucchi nach Rom und kaufte dort das ehemalige Haus des erwähnten Malers Anton Raffael Mengs.
Das Haus der Zucchis in Rom entwickelte sich bald zu einem beliebten Treffpunkt für Fürsten, Künstler und Gelehrte. Zu ihren Gästen gehörten unter anderem der erwähnte Archäologe und Kunstgelehrte Johann Joachim Winckelmann, der Theologe und Dichter Johann Gottfried von Herder, der Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) sowie nach Rom reisende Adlige, obwohl sich nicht jeder von ihnen ein teures Gemälde leisten konnte.
In der „Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung Vaduz" ist das 1783 von Angelica Kauffmann angefertigte Porträt von König Ferdinand IV. von Neapel (1751–1825), seiner Frau, Königin Marie, und ihrer sechs Kinder vor dem Hintergrund einer Parklandschaft zu bewundern. Weil das siebte Kind, für das schon ein Platz auf dem Bild vorgesehen war, tot zur Welt kam, übermalte die Künstlerin die für das Neugeborene leergelassene Wiege mit einer Decke.
Von ihrem Mann Antonio Zucchi, der 1795 starb, wurde Angelica Kauffmann tatkräftig unterstützt. Nach seinem Tod verließ seine Witwe die italienische Hauptstadt nur noch kurzfristig.
Am 5. November 1807 starb Angelica Kauffmann im Alter von 66 Jahren in Rom. Sie wurde in der Kirche Sant’Andrea delle Fratte zur letzten Ruhe gebettet. In Österreich zierte zeitweise ihr Selbstporträt eine 100-Schilling-Banknote.
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| Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler |
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