"Ales Betty" - SAT1 zieht die NotbremseKategorie: Medien & Kommunikation Artikel veröffentlicht von: Thomas Lenz
Nichts wie weg damit - mit diesen oder ähnlichen Worten muss es wohl in der entscheidenden Redaktionssitzung beschlossen worden sein, als man sich angesichts unerfreulicher Quoten der ersten beiden Folgen der US-Erfolgsserie "Ugly Betty" (oder deutsch "Alles Betty") beim hiesigen Lizenznehmer SAT1 die Haare raufte.
Aufgeben gehört anscheinend mittlerweile zu den Tugenden im Quoten-TV. Im Grunde fehlt einem allerdings jegliches Verständnis dafür, dass ein Sender der Größenordnung von ProSieben/SAT1 nicht in der Lage ist, ein amerikanisches Erfolgsformat (gerade erst mit zwei Golden Globes ausgezeichnet) sinnvoll und quotenträchtig zu platzieren. Die Panikreaktion, mit welcher die Serie bereits nach zwei Folgen wieder aus dem Programm genommen wird, lässt sich jedoch mindestens genauso wenig nachvollziehen (von der Entscheidung, den Sendeplatz statt dessen mit Wiederholungen der quotenmäßig mittlerweile ebenfalls abwärts tendierenden „Schillerstraße" zu belegen, ganz abgesehen). Die offensichtliche Hilflosigkeit dem Publikumsbedarf gegenüber, aber nicht weniger eine anscheinend durchgängige Ahnungslosigkeit, was die passenden Kommunikationsmaßnahmen angeht (angefangen beim deutschen Titel), lassen aber zumindest dahingehend aufatmen, dass man als Zuschauer hierfür nicht auch noch Gebühren zahlen muss (was nicht heißt, dass die Öffentlich-Rechtlichen hier auch nur einen Funken mehr an Kompetenz erkennen ließen).
Es ist ja nicht der erste Fall, wo man teures Geld in Lizenzkäufe bzw. Produktionsgelder und Marketing gesteckt hat, ohne auch nur im Ansatz ein sinnvolles Ergebnis zu erzielen. Ganz nebenbei trägt die implizite Ignoranz dem Zuschauer gegenüber – in diesem Fall diejenigen betreffend, welche sich die ersten beiden Folgen der Serie mit Interesse angesehen haben (1,23 Millionen, wie sich lesen lässt) – nicht unbedingt zur Vertrauensförderung dem Sender gegenüber bei. Anstatt also den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, wäre es vielmehr Pflicht der Verantwortlichen (die ganz offensichtlich schon im Vorfeld zu kurz gedacht und geplant haben) hier Schadensbegrenzung im Sinne des Zuschauers zu betreiben. Dafür bedürfte es anstelle von Standardkonzepten ohne Esprit und publikumsferner Irrelevanz aber frischer Ideen und eines gewissen Risikowillens – beides Mangelware. Am notwendigen Budget liegt es fraglos jedenfalls nicht.
Die Lösungen liegen auf der Hand, nur scheint sie - wie so oft - keiner der Verantwortlichen sehen zu wollen. Das aber wird auch die zukünftige Lage nicht verbessern. Im Gegenteil. Den Sender wird es (wie bei allen Konzernen, die nicht aufwachen) langfristig Arbeitsplätze kosten und den Zuschauer die Lust am Zuschauen.
Veröffentlicht von: Thomas Lenz Web: http://www.alienus-mediaconsulting.de Kontakt: e-mail
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| Thomas Lenz, Alienus Mediaconsulting, Bonn. Der Autor arbeitet als Unternehmensberater und betreut Firmenkunden, Künstler und Medienschaffende in Fragen von PR, Strategie und Marketing. |
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