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Agnes Fink: Die große deutsche Tragödin

Kategorie: Kultur
Artikel veröffentlicht von: Ernst Probst


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Eine der größten Tragödinnen war die aus Deutschland stammende Schweizer Schauspielerin Agnes Fink (1919–1994). Wie kaum eine Darstellerin von Rang entwickelte sie früh und dauerhaft eine Neigung zum Fernsehen, in dem sie sich mit wenigen, aber einprägsamen Auftritten einen Platz in Bewusstsein der Öffentlichkeit schuf. Bei einer Umfrage von 1969 hielten acht Millionen TV-Zuschauer sie für die beste Schauspielerin auf dem Bildschirm.

Agnes Fink wurde am 14. Dezember 1919 in Frankfurt am Main geboren. 1938 begann sie in Frankfurt ein Studium an „Dr. Hoch’s Konservatorium", musste dieses jedoch „wegen mangelnder Begabung" vorzeitig wieder verlassen. Auch der Direktor des Heidelberger Theaters, an dem sie im selben Jahr ihr Debüt feiern wollte, betrachtete sie als „das Untalentierteste, was ihm je begegnet ist" und schickte die 18-Jährige bald nach Hause.

1939 wurde Agnes Fink am Leipziger Theater engagiert, wo sie unter anderem in dem Stück „Miss Sara Sampson" erfolgreich auftrat. Kurz vor der Schließung der Leipziger Bühnen wechselte sie 1944 an das –„Bayerische Staatsschauspiel" in München. Dort spielte sie die Hosenrolle der Donna Juaña in „Don Gil", William Shakespeares „Desdemona und Rosalinde" sowie „Maria Stuart".

Im Februar 1945 heiratete Agnes Fink den Schweizer Schauspieler und späteren Regisseur Bernhard Wicki (1919–2000), mit dem sie in die Schweiz zog. Dort arbeitete Agnes in einer Chemiefabrik, erlitt dabei eine schwere Vergiftung, kurierte diese aus und wurde danach am Zürcher Schauspielhaus als Charakterdarstellerin entdeckt, die jeder Rolle ein faszinierend geheimnisvolles Flair verlieh. Außer in Zürich trat sie auch in München auf und gastierte in Basel.

1949 kehrte Agnes Fink zum „Münchner Staatsschauspiel" zurück, gab Gastspiele bei den Münchner Kammerspielen und am „Württembergischen Staatstheater Stuttgart„. Ab 1956 arbeitete sie als freischaffende Künstlerin an den großen Bühnen von Hamburg, Berlin, München, Zürich und Wien und verkörperte nahezu sämtliche Heroinnen der Theaterliteratur. Früh wurden spröde, herrische, stumm-zornige oder geifernd aufbegehrende Frauenfiguren ihre Domäne. Mitunter steigerte sie sich so in ihre Rollen hinein, dass sie davon krank wurde.

Ab den 1950-er Jahren sah man Agnes Fink auch auf der Kinoleinwand. Ihre schauspielerischen Leistungen in „Jons und Erdme" (1959), „Das falsche Gewicht" (1971) mit Helmut Qualtinger (1928–1986), „Sternsteinhof" (1976) und „Das Spinnennetz (1989) mit Klaus Maria Brandauer gelten als cineastische Höhepunkte.

Auf dem Fernsehbildschirm brillierte Agnes Fink unter anderem in „Die schmutzigen Hände" (1956), „Der schöne Gleichgültige" (1957), „Schinderhannes" (1957), „Maria Stuart" (1967), „Karpfs Karriere" (1968), „Die Frau mit den Karfunkelsteinen" (1985) und „Das Leben hört auf, das Leben beginnt" (1986). Bereits 1967 verlieh man ihr den „Deutschen Fernsehpreis" und 1975 das „Große Bundesverdienstkreuz".

Die Arbeitswut von Agnes Fink schadete zunehmend ihrer Gesundheit. 1971 musste die Premiere von „Ein Fest für Boris" im „Zürcher Schauspielhaus" um Monate verschoben werden, weil sie kein Wort mehr herausbrachte. Bei den Dreharbeiten für das Stück „Langusten", das an Heiligabend 1989 im Fernsehen gesendet wurde, mussten mehrfach wegen Herzattacken Pausen eingelegt werden. 1989 brach die 70-Jährige in Paris bei der Aufführung von „Glückliche Tage" wegen Herzrhythmusstörungen zusammen. Ende 1990 musste sie in einer Berliner Intensivstation behandelt werden. Im Oktober 1993 fesselte sie ein Schlaganfall an das Bett. Nach langer Krankheit starb Agnes Fink am 28. Oktober 1994 im Alter von 74 Jahren in München.

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Veröffentlicht von: Ernst Probst
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Über den Autor:
Ernst Probst ist Journalist, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Antiquitätenhändler und Fossilienhändler
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